Schwulen-Verfolgung unter Nazis geleugnet: Präsidentschaftskandidat Zemmour angezeigt

LGBTI-Verbände zeigen rechtsextremen Politiker an

Éric Zemmour
Fabrice Perou - CC BY-SA 4.0

Empörung über den rechtsextremen französischen Präsidentschaftskandidaten Éric Zemmour: Er hat geleugnet, dass die Nazis in Frankreich Lesben und Schwulen wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt haben. Dafür haben ihn nun mehrere LGBTI-Verbände wegen der Leugnung eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit angezeigt. 

Verfolgung von Homosexuellen durch die Nazis „eine Legende“

Grund für die Anzeige ist eine Passage aus dem Buch „Frankreich hat sein letztes Wort noch nicht gesprochen“, das Zemour im September veröffentlicht hat. Dort heißt es: „Die Deportation von Homosexuellen in Frankreich wegen ihrer ‚sexuellen Orientierung‘ – wie man heute sagt – ist eine Legende“. 

Eine falsche Behauptung: Denn während der Besatzung Frankreichs durch Nazideutschland wurden mindestens 500 Männer wegen ihrer mutmaßlichen Homosexualität festgenommen. Etwa 200 von ihnen wurden deportiert, schätzen Historiker:innen. Die Deportation Homosexueller während des Zweiten Weltkriegs sei eine „etablierte historische Realität“, so LGBTI-Verbände in ihrer Anzeige.

„Geschichtskittung“, um die eigene homosexuellenfeindliche Haltung zu verteidigen

Zemmour würde „Geschichtskittung“ betreiben, „um seine homosexuellenfeindliche Haltung zu verteidigen“, heißt es in der Anzeige mehrerer LGBTI-Vereinugungen, darunter Stop Homophobie und SOS Homophobie. „Indem Eric Zemmour die während des Zweiten Weltkriegs begangenen Verbrechen gegen Homosexuelle leugnet, minimiert er die aktuelle homophobe Gewalt“, so SOS Homophobie.

Für Zemmour kommt die Anzeige zur unpassenden Zeit: Am 10. April wählt Frankreich einen neuen Präsidenten, und der Rechtsaußen-Politiker hat Umfragen zufolge gute Chancen, in die Stichwahl zwei Wochen später zu kommen. Aus dem Umfeld Zemmours heißt es deshalb, dass das Zitat gar nicht die Haltung des Präsidentschaftskandidaten wiedergebe, sondern die eines anderen Politikers.

Das Zitat ist nicht von Zemmour, er findet es aber „richtig“

So stamme das Zitat aus dem Wahlkampf 2012 – und im Original vom mittlerweile aus der Partei ausgeschlossenen UMP-Politiker Christian Vanneste. Allerdings schreibt Zemmour in seinem Buch, Vanneste habe mit seiner Äußerung „richtig“ gelegen. Allerdings hat Frankreich bereits ab den 1990er Jahren die Existenz der Deportation Homosexueller während der Nazi-Zeit anerkannt.

Ein Vertrauter Zemmour rechtfertigt die Aussage auch damit, dass im Zuge dieser Kontroverse auch der bekannte Nazijäger Serge Klarsfeld gesagt habe, dass unter den Deportierten zwar auch Homosexuelle waren, dieser aber von den Nazis „als Juden, als Widerstandskämpfer oder als Bürgerrechtler“ verschleppt worden seien.

Zemmours Anwalt hat die Anzeige zunächst nicht bestätigt. Für den Rechtsaußen-Politiker ist es bereits das 17. Verfahren: In den bisherigen 16 Verfahren wurde er fünfmal freigesprochen und zweimal verurteilt. Neun Verfahren sind noch nicht abgeschlossen. Es sei das erste Mal, dass die Staatsanwaltschaft wegen der Leugnung von Nazi-Verbrechen gegenüber Homosexuellen aktiv werde, so der Anwalt der LGBTI-Verbände.