Kardinal Marx: „Homosexualität ist keine Sünde“

Der Münchner Erzbischof stellt sich gegen den derzeit geltenden Katechismus

Reinhard Marx
Wolfgang Roucka/Erzbischöfliches Ordinariat München - CC BY-SA 3.0

Deutliche Worte über das Verhältnis zwischen queeren Menschen und der römisch-katholischen Kirche kommen vom Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx: In einem Interview mit dem heute erscheinenden Magazin Stern geht er auf Distanz zur vom Vatikan verbreiteten Lehre.

„Es entspricht einer christlichen Haltung, wenn zwei Menschen füreinander einstehen“

So erklärt der 68-Jährige in dem Gespräch seine Idee der „inklusiven Ethik“ – und will die Ausgrenzung queerer Gläubiger beenden. „Homosexualität ist keine Sünde“, macht Marx klar: „Es entspricht einer christlichen Haltung, wenn zwei Menschen, egal welchen Geschlechts, füreinander einstehen, in Freude und Trauer. Ich spreche vom Primat der Liebe, gerade in der sexuellen Begegnung.“

„LGBTI-Menschen sind Teil der Schöpfung und von Gott geliebt, und wir sind gefordert, uns gegen Diskriminierung zu stellen“, so der Münchner Erzbischof: „Ich glaube: Gott sucht die Gemeinschaft mit ihnen, wie er sie mit allen Menschen will. Für mich ist es eher Sünde, andere aus der Kirche drängen zu wollen.“ Wer Schwulen und Lesben und generell „mit der Hölle droht, hat nichts verstanden“.

Vor zwei Wochen hat Marx seinen ersten Queer-Gottesdienst gefeiert

Als Zeichen dieser Einstellung hat Marx am 14. März anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Queer-Gemeinde in der Münchner St. Paul-Kirche zum ersten Mal einen Gottesdienst für queere Menschen gefeiert. Dabei hat er sich bei ihnen für das Leid entschuldigt, das sie in der katholischen Kirche erfahren haben. Im Interview gesteht er ein, er hätte sich „vor zehn oder fünfzehn Jahren selbst noch nicht hätte vorstellen können, eines Tages diesen Gottesdienst so zu feiern“.

Der Münchner Erzbischof ist sich bewusst, dass er sich mit dieser Sichtweise gegen den derzeit gültigen Katechismus der römisch-katholischen Kirche stelle. Darin sind homosexuelle Handlungen als „in sich nicht in Ordnung“ beschrieben, sie wären „in keinem Fall zu billigen. „Der Katechismus ist nicht in Stein gemeißelt. Man darf auch in Zweifel ziehen, was da drinsteht“, entgegnet Marx.

Er weiß auch, dass er mit dieser Einstellung konservative Kreise der römisch-katholischen Kirche vor den Kopf stoße, sagt Marx. So hat erst vor einigen Tagen der australische Kurienkardinal George Pell gefordert, die Glaubenskongregation im Vatikan möge sich mit zu LGBTI-freundlichen Bischöfen in Deutschland beschäftigen. Allerdings fühle er sich freier „zu sagen, was ich denke“, so Marx.