Britischer Abgeordneter outet sich als trans

Jamie Wallis spricht offen über seine Geschlechtsidentität, seine Vergewaltigung und seine PTBS

Jamie Wallis
House of Commons

In Großbritannien hat sich zum ersten Mal ein Parlamentsabgeordneter als trans geoutet. Jamie Wallis, ein 37 Jahre alter konservativer Abgeordneter für den Wahlkreis Bridgend in Wales, hat seine Geschlechtsidwntität über Twitter öffentlich gemacht.

Jamie Wallis macht seine Genderdysphorie öffentlich

„Ich bin trans. Oder, um genauer zu sein, willl ich es sein. Bei mir wurde eine Genderdysphorie diagnostiziert und ich habe mich so gefühlt, seit ich ein kleines Kind war. Eigentlich wollte ich das nie mit Ihnen teilen. Ich habe mir immer gedacht, ich werde die Politik verlassen, bevor ich das laut ausspreche“, so Wallis.

Eine Genderdysphorie ist durch eine starke, anhaltende geschlechtsübergreifende Identifikation gekennzeichnet, die mit Angst, Depression, Reizbarkeit und oft dem Wunsch verbunden ist, nicht mit jenem Geschlecht zu leben, das bei der Geburt zugewiesen wurde.

Auf Twitter schreibt er auch über Erpressung und Vergewaltigung

Im Moment möchte er weiter das Pronomen „er“ verwenden. In seinem Tweet schreibt er auch, dass er schon im Jahr 2000 kannpp vor einem öffentlichen Coming-out war. Damals hat ihn jemand erpresst, vor seinem Vater geoutet und Fotos an andere Familienmitglieder geschickt wurden. Der Erpresser verlangte 50.000 Pfund, umgerechnet 60.000 Euro, von Wallis. Der Erpresser konnte gefasst werden und wurde zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Der Versuch, sein Leben nach dieser versuchten Erpressung weiterzuleben als wäre nichts geschehen, ging allerdings schief: Wie Wallis auf Twitter weiter berichtet, wurde er im September bei einem Online-Date vergewaltigt, weil er zuvor Sex ohne Kondom abgelehnt hatte. „Seit diesem Vorfall bin ich nicht mehr ich selbst und ich glaube nicht, dass ich mich davon jemals wieder erholen werde. Es ist etwas, das man nicht vergisst, und von dem man nicht davonlaufen kann.“

Der Versuch, so weiterzuleben wie bisher, ging schief

Wenige Wochen später, am 28. November, verursachte Wallis einen Verkehrsunfall mit Fahrerflucht. Dabei ist er gegen einen Verteilerkasten gefahren und hat so die Internetverbindung der wallisischen Kleinstadt Llanblethhian lahmgelegt. Er konnte ausgeforscht werden und wurde verhaftet, Nun tritt der 37-Jährige die Flucht nach vorne an: Er gibt an, nach der Vergewaltigung am Postttraumatischen Belastungssyndrom (PTBS) zu leiden. 

Premierminister Boris Johnson hat Wallis auf Twitter seine Unterstützung zugesichert – nur wenige Stunden, nachdem er auf Kosten von trans Personen einen Scherz über Oppositionsführer Keir Starmer gemacht hat. Bei einer Abendveranstaltung sagte Johnson: „Guten Abend, meine Damen und Herren, oder – wie es Keir Starmer sagen würde – Personen, die bei der Geburt weiblich oder männlich zugeordnet wurden.“