Auch Kanada erlaubt die diskriminierungsfreie Blutspende

Ab September geht es auch in Kanada um Risikoverhalten, nicht um Risikogruppen

Blutkonserven
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Kanada hebt bei der Blutspende die Einschränkungen für schwule und bisexuelle Männer auf. Die zuständige Behörde, Health Canada, hat einem entsprechenden Antrag des kanadischen Blutspendedienstes CBS stattgegeben. Das berichtet der kanadische Sender CTV.

Analsex mit mehreren Partnern als vorübergehender Ausschlussgrund

Die neue Richtlinie wurde jahrelang diskutiert. Bis jetzt mussten schwule und bisexuelle Männer drei Monate auf gleichgeschlechtlichen Sex verzichten. Ab 30. September wird für die Eignung zur Blut- und Plasmaspende ausschließlich das persönliche Verhalten ausschlaggebend sein, unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung.

So wird nun jede:r Blutspender:in gefragt, ob er oder sie in den letzten drei Monaten mehrere Sex-Partner:innen hatte. „Wenn sie mit Ja antworten, werden sie gefragt, ob sie mit einem dieser Partner Analverkehr hatten. Wenn sie welchen hatten, müssen sie nach dem letzten Analverkehr drei Monate warten, um spenden zu können. Wenn sie keinen hatten und alle anderen Kriterien erfüllen, können sie spenden“, erklärt CBS die neuen Richtlinien.

Die neue Richtlinie soll die Blutspende noch sicherer machen

Die Fragen nach Analverkehr und wechselnden Sexualpartnern würden „es uns erlauben, genauer und verlässlicher jene zu identifizieren, die eine erhöhte Chance haben, sich frisch mit einer Infektion angesteckt zu haben, die über eine Transfusion weitergegeben werden könnte“, so der Blutspendedienst weiter.

Die diskriminierungsfreie Blutspende sei „ein signifikanter Meilenstein für ein inklusiveres Blutspendesystem im ganzen Land, und es basiert auf dem Fortschritt, den die Wissenschaft in den letzten Jahren gemacht hat“, heißt es von Health Canada. Die neuen Richtlinien sind für die Blutspendedienste Kanadas verbindlich, betont das Amt.

Die Blutspende für schwule und bisexuelle Männer wurde in Kanada ab 2013 schrittweise geöffnet

Der Blutspendedienst CBS bereitet gerade alles vor, um die neuen Regeln zeitnah einführen zu können – inklusive Updates in den Prozessen und Schulungen der Mitarbeiter:innen. Héma-Québec, der Blutspendedienst für die französischsprachige Provinz, wird bis Herbst die Richtlinien für Plasma aktualisieren und bis Frühjahr 2023 jene für Blut und Blutplättchen.

Bis 2013 gab es in Kanada für schwule und bisexuelle Männer ein lebenslanges Blutspendeverbot – ein Relikt aus den Zeiten der Aids-Krise der 1980er. Dann konnten Männer Blut spenden, die fünf Jahre keinen Sex mit einem Mann hatten. Im Jahr 2016 wurde diese Frist auf ein Jahr reduziert, und 2019 schließlich auf drei Monate.