Wurden Rabbiner-Schüler vom Mann des Rektors sexuell belästigt?

Aufregung am Abraham Geiger Kolleg in Potsdam

Walter Homolka
BKA/Hans Hofer

Mit einem äußerst unappetitlichen Skandal muss sich das Abraham Geiger Kolleg in Potsdam herumschlagen. Wie die Tageszeitung Welt recherchiert hat, sollen an der Ausbildungsstätte für Rabbiner männliche Studenten sexuell belästigt worden sein – vom Ehemann des offen schwul lebenden Rektors. Der lässt seine Ämter vorerst ruhen. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung. 

Ein Student will über Facebook eindeutige Bilder des Rektorgatten bekommen haben

Seit 1999 werden am Abraham Geiger Kolleg liberale Rabbiner für die jüdischen Gemeinden in Deutschland und in anderen Ländern ausgebildet. Seit Beginn wird das Kolleg von Walter Homolka geleitet, der es auch mitgegründet hat. Im Lauf der Jahre hat sich die Institution einen guten Ruf erarbeitet, ist heute ein wichtiger Teil der Universität Potsdam. Doch dieser Ruf ist nun in Gefahr. 

Denn ein Student berichtet, er habe vom Ehemann des Rektors, der selbst als Dozent am Kolleg tätig war, über Facebook 2019 Bilder seines erigierten Penis geschickt bekommen. Homolka und sein Ehemann sollen das zunächst bestätigt haben, dann aber versucht haben, Berichte darüber zu unterbinden.  

Eine interne Prüfungskommission des Kollegs empfahl eine Mediation

Jonathan Schorsch, Professor vom Institut für Jüdische Studien und Religionswissenschaft an der Universität Potsdam, erklärte gegenüber der Welt außerdem, ihm seien weitere Fälle von sexueller Belästigung gemeldet worden. Eine interne Prüfungskommission des Abraham-Geiger-Kollegs soll nur zu einem Mediationsverfahren geraten haben. 

Der Zentralrat der Juden fordert nun eine schnelle Aufklärung der Vorwürfe: “Schockiert müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass es nach Recherchen der ‘Welt’ am Abraham Geiger Kolleg mehrere Fälle sexueller Belästigung gegeben haben soll”, so Josef Schuster, Präsident des Zentralrats, in einer Stellungnahme. 

Zentralrat der Juden fordert schnelle Aufklärung

“Eine solche Nachricht über eine Ausbildungsstätte für Rabbinerinnen und Rabbiner entsetzt mich. Eine schnellstmögliche und umfassende Klärung des gesamten Sachverhalts ist unverzichtbar”, so Schuster weiter: “Diese kann nur durch vom Abraham-Geiger-Kolleg unabhängige Experten erfolgen.” 

Die Universität Potsdam teilte mit, dass sie bereits vor Wochen eine Untersuchungskommission zu den Vorwürfen eingerichtet habe. Diese wurde beauftragt “diverse Vorwürfe” gegen Homolka und einen wissenschaftlichen Mitarbeiter prüfen. Sie soll bis August einen Bericht vorlegen, der auch konkrete Empfehlungen zum weiteren Vorgehen enthalten soll.  

Uni Potsdam richtet Kommission ein

“Mögliche Fälle von sexualisierter Diskriminierung oder Gewalt werden von der Universität Potsdam (UP) ausnahmslos außerordentlich ernst genommen und gewissenhaft analysiert und aufgeklärt”, betont die Hochschule in ihrer Stellungnahme. 

Aus dem Brandenburger Wissenschaftsministerium heißt es, die zuständige Ministerin Manja Schüle von der SPD nehme die Vorwürfe “sehr ernst”. Sie gehe davon aus, “dass die Vorwürfe durch die Universität Potsdam umfassend und unabhängig aufgeklärt werden”, so ihr Sprecher Stephan Breiding. 

Homolka ist überzeugt, sich richtig verhalten zu haben

Homolka selbst erklärte in einer schriftlichen Stellungnahme an die Deutsche Presse-Agentur (dpa), es möchte seiner “persönlichen Betroffenheit Ausdruck verleihen. Es tue “weh, solche Dinge lesen zu müssen”. Er sei überzeugt, sich richtig verhalten zu haben. “Auf das Verhalten mir nahestehender Menschen habe ich jedoch keinen Einfluss und möchte ihn auch nicht haben”, betont der Rektor. 

Bis zur Klärung des Sachverhalts habe er sich entschlossen, “die aktive Ausübung meiner Aufgaben in der Jüdischen Gemeinschaft und an der Universität ruhen zu lassen”, so Homolka weiter. Er habe sein Leben in den Dienst des liberalen Judentums gestellt – jedes Engagement finde aber auch Gegner, denen nicht gefalle, was man bewege.