Neue Plattform will über Chemsex aufklären

Das Netzwerk Chemsex bietet Information und Beratung

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Chemsex, also Sex unter dem Einfluss bestimmter Substanzen, ist auch in Wien und Österreich ein Thema in der Schwulenszene. Um Betroffenen besser helfen zu können und die Informationen zu diesem Thema zu vernetzen, wurde nun das „Netzwerk Chemsex“ gegründet.

20 Prozent der Befragten haben regelmäßig Chemsex

Wie wichtig das Thema ist, zeigt eine Studie aus dem Jahr 2017. Von mehr als 2.700 befragten Männern, die Sex mit Männern haben, haben rund 20 Prozent angegeben, in den letzten zwölf Monate zumindest bei jedem zweiten Mal Sex unter dem Einfluss von Substanzen wie Liquid Ecstasy, Methamphetamin, Mephedron oder Ketamin gestanden zu haben. Knapp die Hälfte der Befragten kam dabei aus Wien.

Dabei stellen die Substanzen oft eine unterschätzte Gefahr dar: „Neben den Risiken für die körperliche Gesundheit, etwa durch falsche Dosierungen oder gefährliche Wechselwirkungen in Kombination mit anderen Substanzen oder Medikamenten, sind auch die Risiken beim Sex unter Einfluss von Chems zu nennen“, betont der Wiener Allgemeinmediziner Horst Schalk.

Vielen sind die Gefahren bewusst – aber sie wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen

Dazu gehören unter anderem die Gefahr von Verletzungen durch die gesteigerte Enthemmtheit oder die erhöhte Infektionsgefahr durch ungeschützten Sex, der nach Einnahme der Substanzen merkbar häufiger praktiziert wird. „Auch Kontrollverlust während der Wirkung oder depressive Episoden bei Nachlassen der Wirkung sind häufig zu beobachtende Phänomene“, ergänzt Lisa Brunner vom Institut für Suchtprävention der Sucht- und Drogenkoordination Wien.

Den Betroffenen ist dabei ihre Situation oft bewusst – mehr als ein Viertel der Chemsex-Nutzer:innen wollen ihren Konsum einschränken oder komplett einstellen.  Allerdings wissen sie oft nicht, an wen sie sich wenden sollen, wenn sie Beratung, Unterstützung oder Informationen brauchen. Und auch Medizier:innen wissen nicht immer, an wen sie ihre Patient:innen verweisen sollen.

Das Netzwerk Chemsex möchte Expertinnen und Experten zusammenbringen

Hier möchte das Netzwerk Chemsex Abhilfe schaffen: Dabei haben sich Beratungseinrichtungen und Medziner:innen verschiedener Fachrichtungen zusammengeschlossen, um sich zu vernetzen und weiterzubilden. Dem Netzwerk gehören unter anderem die Aids Hilfe Wien, die Sucht- und Drogenkoordination der Stadt Wien und engagierte Mediziner:innen an.

„Beratung und Wissenserweiterung sind die entscheidenden Faktoren. Auch um der Stigmatisierung und Tabuisierung entgegenzuwirken. Und nur, wenn diese beiden Faktoren möglichst gering sind, wird auch Hilfe in Anspruch genommen“, betont Andrea Brunner, Geschäftsführerin der Aids Hilfe Wien.

Um in der Community stärker wahrgenommen zu werden und das Angebot bekannter zu machen, möchte das Netzwerk Chemsex in den nächsten Monaten in Szenelokalen und Arztpraxen stärker präsent sein.