Immer mehr Länder melden Infektionen mit Affenpocken

Die jetzt bekannten Fälle könnten nur die Spitze eines Eisbergs sein

Affenpocken
ECDC

Heute wurde in Deutschland der erste Fall von Affenpocken bekannt. Bei einem 26 Jahre alten Brasilianer, der in Portugal lebt und zuletzt in mehreren deutschen Städten unterwegs war, wurde das Virus heute in München nachgewiesen.

Damit reiht sich unser Nachbarland in eine Reihe von Ländern ein, in denen in den letzten Tagen Infektionen gemeldet wurden: So gibt es seit gestern auch in Belgien, Italien, Australien oder Kanada zumindest Verdachtsfälle. Aus Österreich ist noch kein Fall bekannt.

Erste Fälle in Belgien, Italien oder Frankreich

In Italien wurde der erste Fall einer Affenpockeninfektion im Spallanzani-Krankenhaus in Rom festgestellt. Nach Angaben der Klinik befindet sich die Person, die von einem Aufenthalt auf den Kanarischen Inseln zurückkam, in Isolation. Zwei weitere Verdachtsfälle würden noch geprüft.

In Belgien wurde ein erster Fall in Antwerpen nachgewiesen: Wie der öffentlich-rechtliche Sender VRT berichtet, hat sich eine infizierte Person beim Institut für Tropenmedizin gemeldet. Die Person sei „nicht sehr krank“, heißt es, nun würden ihre Kontakte nachverfolgt.

In Frankreich ist nach Angaben der Behörden ein 29-Jähriger im Großraum Paris betroffen. Er war vorher nicht in einem Land, in dem das Virus derzeit zirkuliert.

Zahl der Betroffenen in Spanien, Portugal und Großbritannien steigt an

In Spanien sind mittlerweile 30 Fälle bestätigt. Nach Informationen der Zeitung La Vanguardia gibt es weitere 23 Verdachtsfälle. „Es ist möglich, dass wir in den kommenden Tagen weitere Fälle haben werden“, so Antonio Zapatero, Leiter des Gesundheitswesens der Region Madrid, gegenüber dem Radiosender Onda Cero.

In Portugal stieg die Zahl der bestätigten Fälle mittlerweile nach Angaben der Zeutung Público auf 23. Die Patienten seien stabil und würden engmaschig überwacht, heißt es von der portugiesischen Gesundheitsbehörde DSG. Die meisten Fälle wurden in und um Lissabon gemeldet.

In Großbritannien ist die Zahl der erfassten Fälle unterdessen von neun auf 20 gestiegen. Das hat der britische Gesundheitsminister Sajid Javid am Freitag bekanntgegeben. Das Land hat Pocken-Impfstoff eingekauft – wie viel und wer damit geimpft werden soll, bleibt zunächst unklar.

Auch Australien und Kanada sind von den Affenpocken betroffen

In Australien wurde die Infektion bei einem Mann bestätigt, der vor kurzem aus Großbritannien zurückgekehrt war, so die Gesundheitsbehörde des Bundesstaates Victoria. Auch aus New South Wales wurde ein Verdachtsfall gemeldet. Dabei handelt es sich um einen etwa 40-jährigen Mann, der vor kurzem aus Europa nach Sydney zurückgekehrt war.

In Kanada wurden zwei Verdachtsfälle in der Provinz Quebec bestätigt. Insgesamt gehen die Behörden noch 17 weiteren Verdachtsfällen nach. Bereits gestern wurde ein Fall aus den USA gemeltet, er soll zuvor in Kanada gewesen sein.

Noch keine Fälle in Österreich, erste Vorbereitungen getroffen

In Österreich wurde bis jetzt keine Infektion nachgewiesen, so das Gesundheitsministerium am Donnerstag. Man befinde sich „in einem intensiven internationalen Austausch und evaluiert die Lage weiterhin laufend“, heißt es aus dem Ministerium dazu. Außerdem wird gerade eine Meldepflicht für Affenpocken geprüft.

Der aktuelle Ausbruch hatte seinen Ursprung wahrscheinlich in Großbritannien: Dort, sowie in den USA und Portugal waren die ersten Fälle bekannt geworden. Sie betrafen vor allem Männer, die Sex mit Männern haben, weshalb in der Community eine gewisse Unruhe herrscht.

Ruhe bewahren, aber bei ungewöhnlichen Hautveränderungen zum Arzt

Die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) rät trotzdem dazu, Ruhe zu bewahren, damit nicht „Panik und unangemessene Ängste entstehen“, so DAH-Sprecher Holger Wicht. Allerdings hatte das Robert Koch-Institut (RKI) am Mittwoch als einzige Personengruppe Männer, die Sex mit Männern haben, zur Vorsicht aufgerufen: Sie sollten bei „ungewöhnlichen Hautveränderungen“ sofort zum Arzt.

Zu den Symptomen bei Affenpocken gehören Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschläge, die meist im Gesicht beginnen und sich auf den Rest des Körpers ausbreiten. Menschen können sich durch sehr engen Kontakt mit infizierten Menschen anstecken. Bei der aktuell kursierenden Variante kommt es meistens nur zu milden Verläufen. So liegt die Todesrate bei unter einem Prozent.