Ein grauer Regenbogen für homosexuelle NS-Opfer

Siegerentwurf für Mahnmal am Karlsplatz wurde heute vorgestellt

ARCUS (Schatten eines Regenbogens)
Sarah Ortmeyer und Karl Kolbitz

Eine graue Regenbogenskulptur soll in Wien künftig an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Der Vorschlag von Sarah Ortmeyer und Karl Kolbitz gewann die Wiederholung des Wettbewerbs um das erste derartige Mahnmal in Österreich.  Heute wurde das Projekt von Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr von den Neos und Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler von der SPÖ präsentiert.

Grautöne statt bunter Farben als Zeichen der Trauer und des Gedenkens

Der Bogen, unter dem Passanten künftig verweilen können sollen, zitiert das zentrale Symbol der LGBTI-Bewegung. Allerdings werden die bunten Farben des Regenbogens durch Grautöne ersetzt. Damit rücke das Moment der Trauer und des Gedenkens in den Vordergrund, wie es heißt.

Außerdem werfe das Objekt mit dem Titel „ARCUS (Schatten eines Regenbogens) – im Gegensatz zu einem echten Regenbogen – einen Schatten. Genauso unfassbar sei auch das Geschehene, also die Ermordung von Menschen, so die Künstler:innen.

Ab nächstem Jahr soll das Mahnmal am Karlsplatz zu sehen sein

Wenn alles klappt, soll der graue Regenbogen ab nächstem Jahr im Resselpark am Karlsplatz zu sehen sein. Denn der erste Siegerentwurf, eine Plastik zweier Hände auf einem verspiegelten Tisch, wurde nach zwei Jahren ohne Umsetzung vom britischen Künstler Marc Quinn zurückgezogen. Nun soll der lange Kampf um ein Mahnmal der durch das NS-Regime getöteten Homosexuellen ein gutes Ende finden.

„Das Denkmal soll uns alle mahnen, die Zukunft in unserer Stadt so zu gestalten, dass Vielfalt, Akzeptanz und Lebensfreude die Schatten von Homophobie, Hass und Gewalt überstrahlen“, betont Vizebürgermeister Wiederkehr. Und Kulturstadträtin Kaup-Hasler ergänzt: „Der Regenbogen, der seine Farbigkeit verloren hat, verdeutlicht auf verständliche Weise, in welches Grauen das Fehlen von Toleranz und die ideologische Instrumentalisierung von Vorurteilen führt.“

HOSI Wien: „Jahrzehntelange Forderung“ erfüllt

Lob für den Siegerentwurf kommt von der HOSI Wien. Mit dem Mahnmal werde „eine jahrzehntelange Forderung“ des Vereins erfüllt, erklärt Markus Steup, Leiter des Antifaschistischen Komitees der HOSI Wien: „Diese öffentliche Anerkennung ist besonders wichtig, denn gerade homosexuelle Opfer wurden auch nach Kriegsende jahrzehntelang nicht anerkannt, noch viel weniger entschädigt. Wenn sie überlebt haben, wurde ihnen ihre Zeit im KZ auch nicht auf die Pension angerechnet – den Aufseher*innen hingegen schon.“

Das Gesamtbudget für das Denkmal in der Höhe von 300.000 Euro wird von der Stadt und dem Nationalfonds der Republik Österreich zur Verfügung gestellt.