Deutschland empfiehlt Risikogruppen Impfung gegen Affenpocken

Auch schwule und bisexuelle Männer betroffen

Symbolbild: Affenpocken
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In Berlin hat die Ständige Impfkommission (Stiko) heute, Donnerstag, empfohlen, Risikogruppen gegen Affenpocken zu impfen. Dazu gehören schwule und bisexuelle Männer, die Sex mit wechselnden Partnern haben, sowie Menschen, die engen körperlichen Kontakt zu Infizierten hatten und Personal in Laboren mit ungeschütztem Kontakt zu Proben.

Wer schon in der Vergangenheit geimpft wurde, braucht nur eine Dosis

Für die Impfung stehe der in der Europäischen Union (EU) zugelassene Pocken-Impfstoff Imvanex zur Verfügung, so die Stiko. Weil der Impfstoff aber nur begrenzt zur Verfügung steht, sollen nun vor allem Risikogruppen geimpft werden. Die Grundimmunisierung erfolgt mit zwei Impfstoffdosen in einem Abstand von 28 Tagen. Wer bereits in der Vergangenheit gegen Pocken geimpft wurde, braucht nur eine Dosis.

Bei der Empfehlung handelt es sich um einen Beschlussentwurf, der noch mit den Bundesländern und Expert:innen abgesprochen werden muss.

In Deutschland gibt es mehr als 130 Affenpocken-Fälle – alle betreffen schwule und bisexuelle Männer

In Deutschland sind bereits mehr als 130 Fälle von Affenpocken bekannt, besonders viele Fälle davon in Berlin. Alle bisher in Deutschland erfassten Fälle betreffen Männer, die Sex mit Männern haben. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind mittlerweile mehr als 1000 Fälle von Affenpocken außerhalb des normalen Verbreitungsgebiets in Afrika aufgetreten.

Es bestehe die reale Gefahr, dass sich Affenpocken in Ländern festsetzen, in denen das Virus normalerweise nicht beheimatet sei, so WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Dies sei aber vermeidbar.

Die aktuelle Welle hat im Mai begonnen. Bis jetzt wurden in 29 Ländern, in denen Affenpocken normalerweise nicht auftreten, Fälle gemeldet. Besonders betroffen sind dabei Großbritannien und Spanien. Etliche Fälle konnten bis zur Maspalomas Pride in Gran Canaria oder dem Darklands-Fetischfestival in Antwerpen zurückverfolgt werden.

Ansteckung mit Affenpocken durch Tröpfchen oder engen Körperkontakt

Normalerweise treten Affenpocken hauptsächlich in West- und Zentralafrika auf. In anderen Ländern sind Ausbrüche normalerweise außerordentlich selten. Zu den Symptomen zählen plötzlich einsetzendes Fieber, starke Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Halsschmerzen, Husten und häufig auch Lymphknotenschwellungen. Typisch ist zudem ein vom Gesicht auf den Körper übergreifender, pockentypischer Ausschlag. 

In der derzeit verbreiteten westafrikanischen Variante verlaufen die Affenpocken meistens mild. Die Ansteckung erfolgt über engen Körperkontakt, etwa auch durch Sex, oder Kontakt mit den Hautkrusten. Auch Tröpfcheninfektion ist möglich. Wer sich mit Affenpocken infiziert hat, kann so lange andere Menschen anstecken, bis der Schorf der eingetrockneten Bläschen abfällt.

Pockenimpfung reduziert Risiko der Ansteckung mit Affenpocken erheblich

Großbritannien empfiehlt deshalb Menschen, die sich mit Affenpocken infiziert haben, keinen Sex zu haben, solange sie Symptome haben. Als Vorsichtsmaßnahme sollten sie in den acht Wochen nach einer überstandenen Infektion nur Sex mit Kondomen haben. Außerdem sollen sich Infizierte und ihre engsten Kontakte zu Hause isolieren.

Die Pockenimpfung, die in Österreich bis 1981 verpflichtend war, verhindert eine Ansteckung mit Affenpocken zu 85 Prozent. Dieser Schutz gilt wahrscheinlich lebenslang, könnte im Alter aber abnehmen.