Mitten in Wien: Blutige Nase wegen Regenbogen-Schal

Ö3-Wecker deckt Hassverbrechen auf - am helllichten Tag, mitten in Wien

Symbolbild: Regenbogenflagge
Symbolbild - Adobe Stock

Über einen LGBTI-feindlichen Zwischenfall mitten im Herzen Wiens berichtet heute der Ö3-Wecker : Bei einer Meinungsumfrage zur Pride auf der Mariahilferstraße entdeckte Reporterin Daniela Schmid einen jungen Mann mit Regenbogenschal – und einer blutigen Lippe.

„Genau wegen der Pride-Flagge wurde ich zusammengeschlagen“

„Da sehe ich einen Typen, ganz jung, und der hat einen Regenbogenschal um seine Tasche gebunden. Er dreht sich zu mir um – Lippe blutet, aufgerissene Augen, und er sagt, ‚Du, genau wegen der Pride-Flagge wurde ich gerade zusammengeschlagen“, berichtet Schmid in Österreichs meistgehörter Radiosendung.

„Das ging so schnell, wir sind nur gegangen, und wir haben nur vier- oder fünfmal hinter uns gehört, ‚Pack das weg‘, und zack – habe ich es schon auf der Lippe gespürt, wie mich eine Hand schlägt. Das Adrenalin ist hochgeschossen, und das ging alles innerhalb einer Sekunde. Wir haben auch vorher nicht mit ihm geredet“, schildert Raffi der Ö3-Reporterin.

Raffi lässt sich von den Prüglern nicht einschüchtern

Schmid berichtet, dass sie mit Raffi dann zur Polizei gegangen ist, um Anzeige zu erstatten. Danach hat er ihr noch eine kraftvolle Botschaft mitgegeben: „Genau deswegen brauchen wir Leute, die mit der Pride-Flagge rausgehen, die offen dazu stehen, keine Angst davor haben in der Öffentlichkeit zu stehen“, lässt er sich von den Prüglern nicht einschüchtern.

Das, was Raffi passiert ist, ist in Österreich kein Einzelfall: Denn allein im Jahr 2021 wurden 376 Hassverbrechen gegen LGBTIQ-Personen mit 224 Opfern von Gewaltverbrechen angezeigt – die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher sein. Gerade rund um die Regenbogenparade wurden deutlich mehr Vorfälle wahrgenommen als in den Jahren zuvor.

Jeden Tag wird mindestens ein Fall LGBTI-feindlicher Gewalt angezeigt

Das beschäftigt auch die Politik: Die SPÖ fordert seit längerem einen Nationalen Aktionsplan gegen Hass und Gewalt. „LGBTIQ-Feindlichkeit nimmt zu, Hate Crimes steigen seit Jahren an, die psychische Situation einer ganzen Generation steht vor dem Kollaps“, warnt Gleichbehandlungssprecher Mario Lindner

Die Grünen kündigten im Mai einen Runden Tisch „mit Vertretern der Zivilgesellschaft“ an, bei dem konkrete Schritte gegen die „ausufernde Gewalt gegen LGBTIQ Personen“ besprochen werden sollen. Dass es dafür keine Minute zu früh ist, zeigt unter anderem das, was Raffi am hellichten Tag mitten in Wien passiert ist.