Tausende gedenken der Opfer des Terroranschlags von Oslo

Trotz Sicherheitsbedenken der Polizei zeigt Norwegen seine Solidarität

Oslo
Alexandra von Gutthenbach-Lindau/Pixabay - CC0

Nach dem tödlichen Angriff auf eine Schwulenbar haben in Oslo tausende Menschen gestern an einer Solidaritätskundgebung für die LGBTI-Community teilgenommen. Zuvor war die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen offiziell abgesagt worden. 

Obwohl die Veranstaltung abgesagt wurde, versammelten sich die Menschen im Zentrum

Die Teilnehmer:innen zogen mit Plakaten und Regenbogenflaggen durch das Zentrum der norwegischen Hauptstadt zum Rathaus. Sie gedachten den Opfern des islamistischen Anschlags, bei dem in der Nacht von Freitag auf Samstag zwei Männer getötet und mehr als zwanzig Menschen verletzt wurden. 

Eigentlich war die Veranstaltung kurz zuvor abgesagt worden. Die Polizei hat den Veranstalter:innen der Oslo Pride dazu geraten, weil die Kundgebung größer wurde als ursprünglich geplant und man aufgrund der hohen Zahl an Teilnehmer:innen nicht für deren Sicherheit garantieren könne. “Ich fühle mich hier jetzt viel sicherer als woanders”, widersprach eine Teilnehmerin gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Sender NRK der Behörden-Empfehlung. 

Norwegische Behörden weiter in Alarmbereitschaft

Seit dem Anschlag auf die „London Pub” sind die norwegischen Sicherheitsbehörden in Alarmbereitschaft. So wurde unter anderem auch am Samstag die Oslo Pride kurzfristig abgesagt. Sie hätte zum 40. Mal stattgefunden und die Dekriminalisierung von Homosexualität in Norwegen vor 50 Jahren gefeiert. Trotzdem hatten sich auch am Samstag tausende Menschen spontan zusammengefunden, um ihre Solidarität zu zeigen.  

Die Polizei empfiehlt nun, auch andere Prides in ganz Norwegen aus Sicherheitsgründen abzusagen. Das Land befinde sich nach Einschätzung des Geheimdienstes PST in einer “außergewöhnlichen Bedrohungslage”, zitiert NRK die Behörden. Wie lange diese dauert, ist noch unklar. Die meisten Veranstalter:innen haben angekündigt, der Empfehlung nicht nachzukommen. 

Tatverdächtiger zwei Wochen in Isolationshaft

Als dringend tatverdächtig gilt der 43 Jahre alte Zainar M., ein norwegischer Staatsbürger mit iranischen Wurzeln. Er war dem PST bereits seit 2015 als mutmaßlicher Islamist bekannt. Warum er trotzdem den Anschlag verüben konnte, soll nun untersucht werden. 

Am Montagnachmittag hat ein Gericht in Oslo angeordnet, dass der Mann für vier Wochen in Untersuchungshaft bleiben muss. Die zuständige Richterin verhängte dabei für die gesamten vier Wochen ein Brief- und Besuchsverbot, zwei Wochen davon muss der Beschuldigte in vollständiger Isolation verbringen. Ihm droht eine Anklage wegen Terrorismus, Mordes und versuchten Mordes.