Norwegischer Staatsschutz glaubt: Attentäter von Oslo hatte Helfer

Der Tatverdächtige war offenbar Teil eines größeren Netzwerks

Zainar M.
Polizei Oslo

Der norwegische Inlandsgeheimdienst PST glaubt, dass der Attentäter von Oslo Helfer:innen hatte. Wie der Sender TV2 berichtet, sucht der Staatsschutz nach Unterstützer:innen des 43-Jährigen, der in der Nacht auf Samstag in einer Schwulenbar der norwegischen Hauptstadt zwei Männer erschossen und mehr als zwanzig Menschen verletzt hatte.

Der Inlandsgeheimdienst glaubt, dass mehrere Menschen an dem Anschlag beteiligt waren

„Wir haben, zusammen mit der Polizei, Menschen im Fokus, von denen wir glauben, dass sie an dem Terroranschlag beteiligt waren“, erklärte PST-Chef Roger Berg dem Fernsehsender. Der dringend tatverdächtige Zainar M. hat sich in der Untersuchungshaft nicht dazu geäußert – auch, nachdem ihm die Ermittler:innen eine Befragung ohne Audio- oder Videoaufzeichnung vorgeschlagen hatten.

Zwar ist sich die Polizei sicher, dass der Verdächtige den eigentlichen Angriff in der Nacht zum Samstag alleine verübt hat. So hat sie heute Bilder veröffentlicht, die zeigen, wie Zainar M. um 1.12 Uhr in der Nähe des Tatorts aus der Straßenbahn steigt. 57 Sekunden später gibt er den ersten Schuss ab. Das Motiv ist noch nicht bekannt – der 43-Jährige ist den Behörden aber seit 2015 als Islamist bekannt.

Die Polizei sucht weiterhin Zeugen, um ein umfassendes Bild des Anschlages zu bekommen

Bis jetzt war sich die Polizei aber nicht sicher, ob er vor dem Anschlag Komplizen oder Mitwisser gehabt hätte. So wurde auch ein Bild veröffentlicht, das ihn am Freitagnachmittag gegen 16.10 Uhr in einem Restaurant zeigt. Ob er dort alleine war, will die Polizei nicht sagen. Allerdings bestätigt Berg, dass Zainar M. Teil eines terroristischen Netzwerks war.

Die Polizei von Oslo bittet weiterhin Zeug:innen, die sich während des Anschlags in der Nähe des Tatorts aufgehalten hatten, sich zu melden. Fotos und Videos, die sie gemacht haben, sollen sie der Polizei weiterleiten. So wollen die Beamt:innen ein genaueres Bild von der Situation erhalten.

Die Lage ist auch für die LGBTI-Community weiter ernst

Auch die norwegische Justiz- und Katastrophenschutzministerin Emilie Enger Mehl betont, dass die Lage weiter ernst sei. In einer Pressekonferenz sagte sie, sie bitte Menschen, wie gewohnt weiterzuleben, sich aber an die Polizei zu wenden, wenn sie etwas Verdächtiges bemerken oder sehen würden. Die Gefahr sei noch nicht vorbei, so die Ministerin.

Die norwegische Polizei und der Staatsschutz empfehlen den Veranstalter:innen der noch stattfindenden Prides in Norwegen, diese zu verschieben. Die Gefährdung der queeren Community werde noch immer als außerordentlich hoch angesehen, heißt es.

Die kurdische Community distanziert sich vom Attentäter

Unterdessen haben sich in Norwegen mehrere kurdische Organisationen von dem mutmaßlichen Attentäter distanziert. Zainar M. stammt ursprünglich aus einem von Kurden bewohnten Teil des Irans, kam aber Anfang der 1990er Jahre als Flüchtling nach Norwegen. Mittlerweile besitzt er die norwegische Staatsbürgerschaft.

„Die Tatsache, dass der Terrorist ein ethischer Kurde war, hat keinen Einfluss auf unsere grundsätzliche Haltung gegenüber unseren gemeinsamen Werten“, schreiben sie in einem Brief an den norwegischen Rundfunk NRK: „Wir distanzieren und ausdrücklich von allen Formen von Terror, Gewalt, Hassrede und Diskriminierung.“

Die kurdische Community in Norwegen sei vielfältig und tolerant, heißt es weiter in dem Brief. Sie teile die Trauer mit allen Bürgern, besonders den Angehörigen der Getöteten, der LGBTI-Community und allen, die direkt oder indirekt betroffen seien: „Macht und Hass werden niemals gewinnen“, betonen die Verfasser des Briefs.