Ankara: Pride verboten, Teilnehmer von Extremisten verprügelt

Doch die Aktivist:innen ließen sich nicht einschüchtern

Ankara Pride
Kaos GL

Nachdem zuletzt die Pride-Paraden in Istanbul und Izmir von den türkischen Behörden niedergeschlagen wurden, hat die Polizei der Hauptstadt Ankara am Dienstag auch die dortige Pride verboten und LGBTI-Aktivist:innen festgenommen.

Trotz des Verbots konnten die Aktivist:innen ihre Botschaften verlesen

Dazu hat die Polizei zunächst den ursprünglichen Veranstaltungsort in einem Park abgesperrt. Dann wurden etwas über zwanzig LGBTI-Aktivist:innen festgenommen. Dabei setzte die Polizei offenbar erneut Pfefferspray ein. Wie auch schon in Istanbul sollen auch diesmal Anwälte und ein Journalist unter den Festgenommenen sein.

Doch die LGBTI-Community von Ankara ließ sich von all diesen Repressalien nicht einschüchtern. So schafften es mehrere Aktivist:innen, die Pressemitteilung mit den Forderungen der Pride an mehreren Orten der Innenstadt zu verlesen.

Islamisten machten Stimmung gegen die Pride und verprügelten Teilnehmer:innen

Dabei machten ihnen nicht nur die Behörden das Leben schwer: Zusätzlich hatten – wie auch zuvor in Istanbul – in Ankara islamistische und nationalistische Gruppen wie die Bewegung „Verteidigung des Islams“ gegen die Pride gehetzt und dazu aufgerufen, die Parade zu blockieren.

Wie die türkische LGBTI-Organisation Kaos GL berichtet, sollen die Gegendemonstranten sich in der Nähe des Parks aufgestellt und Sätze wie „Ich will keine Schwuchteln in meinem Land“ gerufen haben. Die Polizei ist dabei nicht eingeschritten.

Auf später gemachten Aufnahmen soll auch zu sehen sein, wie diese Extremisten mutmaßlich auf LGBTI-Aktivist:innen und deren Begleitungen einschlugen.

Die türkische Polizei regiert mit harter Hand gegen die LGBTI-Community

In den vergangenen Wochen hatte die Polizei bereits die Campus-Pride in Ankara, die Pride und eine Universitäts-Pride in Istanbul und die Pride in der Mittelmeer-Stadt Izmir untersagt und die Veranstaltungen meistens gewaltsam aufgelöst. Alleine bei der Istanbul Pride wurden 373 Menschen festgenommen.

Dunja Mijatovic, Europarats-Kommissarin für Menschenrechte, hatte die türkischen Behörden bereits mehrmals aufgefordert, die Prides stattfinden zu lassen. „Die Menschenrechte von LGBTI-Personen in der Türkei müssen wirksam geschützt werden“, betont sie.