Russischer Blogger wegen Gesetz gegen „Homo-Propaganda“ verurteilt

Mit dem Gesetz will Russland auch kritische Stimmen zum Schweigen bringen

Juri Dud
Juri Dud/YouTube

Die russische Regierung nutzt das international kritisierte Gesetz gegen „Homo-Propaganda“ nun auch, um ihre Kritiker mundtot zu machen. So wurde jetzt der kremlkritische Journalist und Blogger Juri Dud deshalb zu einer Geldstrafe verurteilt.

Das Vergehen: Er hat einen schwulen Künstler interviewt

Weil er „gegenüber Kindern Propaganda für nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen“ gemacht habe, wurde der 35 Jahre alte Dud, der mittlerweile aus Istanbul arbeitet, vom Gericht des östlichen Moskauer Bezirks Lefortovo zu einer Geldstrafe in der Höhe von 120.000 Rubel, umgerechnet etwa 2.000 Euro, verurteilt.

Der Grund: Dud habe in seiner Interviewshow „vDud“, die auf YouTube zu sehen ist, den offen schwulen Künstler Fyodor Pavlov-Andreevich interviewt, berichtet der Menschenrechtsanwalt Pavel Chikov. In dem Interview ging es gar nicht um Homosexualität, aber als Vorwand für eine Strafe hat den russischen Behörden das Gespräch offenbar genügt. Duds Anwalt Ilnur Sharapov soll bereits gegen das Urteil berufen haben.

Das Gesetz gegen „Homo-Propaganda“ als Werkzeug gegen kritische Stimmen

Juri Dud ist einer der bekanntesten russischen Journalisten und Blogger. Seit 2017 führt der ehemalige Sportreporter seine Interviews. Er hat auch Dokumentationen, etwa über die Folgen des Stalin-Terrors, veröffentlicht. Auf YouTube folgen ihm mehr als zehn Millionen Menschen. Für seine kritische Berichterstattung gerät er immer wieder ins Visier des russischen Staates.

So wurde er wegen „Drogenpropaganda“ bereits im Oktober 2021 zu einer Geldstrafe von 100.000 Rubel, umgerechnet etwa 1.700 Euro, verurteilt. Dieses Jahr wurde er am 15. April zum „ausländischen Agenten“ erklärt, nachdem er sich öffentlich gegen den Krieg Russlands gegen die Ukraine gestellt hatte: Er bezeichnete die Invasion als „imperialen Rausch“.

Das umstrittene Gesetz gegen „Homo-Propaganda“ ist in Russland seit 2013 in Kraft. Es verbietet „Propaganda“ für „nicht-traditionelle“ Orientierungen gegenüber Kindern und Jugendlichen. Im Jahr 2021 hatte Ungarn unter großem Protest der Europäischen Union ein ähnliches Gesetz verabschiedet. Zurzeit versucht die ungarische Minderheit in Rumänien, ein solches Verbot auch dort durchzusetzen.