Österreich: 376 Hassverbrechen wegen der sexuellen Orientierung gemeldet

Hate-Crime-Jahresbericht für 2021 zeigt, wo die Probleme liegen

Bundesministerium für Inneres
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Im letzten Jahr wurden in Österreich 5.464 Hate Crimes erfasst. Das geht aus dem Jahresbericht 2021 hervor, der heute im Innenministerium präsentiert wurde. Davon betrafen 376 Anzeigen Hassverbrechen aufgrund der sexuellen Orientierung. Für SPÖ-Gleichbehandlungssprecher Mario Lindner ist das ein Grund zum Handeln. 

Fast zweimal pro Woche erlebten queere Menschen eine Tat gegen Leib und Leben

„Vorurteilsmotivierte Straftat” heißen Hate Crimes im offiziellen Sprachgebrauch. Und da eine Tat aus mehreren Vorurteilen geschehen kann, werden kann, wurden im letzten Jahr von der Polizei insgesamt 6.619 Vorurteilsmotive registriert.  

Bei den Hassverbrechen, die aufgrund der sexuellen Orientierung begangen wurden, betrafen 93 Taten strafbare Handlungen gegen Leib und Leben – das sind fast zwei pro Woche. In 84 Fällen ging es um Taten gegen die Freiheit, 13-mal gegen die Ehre.  

Strafbare Handlungen gegen fremdes Vermögen waren letztes Jahr auch 104-mal Hate Crimes aufgrund der sexuellen Orientierung. In 27 Fällen gab es Taten gegen den öffentlichen Frieden. Doch so deutlich diese Zahlen auch sein mögen: Die Dunkelziffer dürfte um ein vielfaches höher sein.

Wien als Spitzenreiter – doch Vorarlberg sticht heraus

Die meisten Hassverbrechen aufgrund der sexuellen Orientierung gab es in Wien mit 130 Fällen, gefolgt von Oberösterreich mit 45 Anzeigen und Niederösterreich mit 40 Fällen. Verglichen zur Einwohner:innenzahl ist auch die Fallzahl in Vorarlberg mit 35 oder Tirol mit 28 überdurchschnittlich hoch. 

Im direkten Vergleich mit der Gesamtzahl aller mutmaßlichen Täter:innen waren Tatverdächtige von Hassverbrechen häufiger jugendlich oder strafunmündig, meistens Männer und überdurchschnittlich oft österreichische Staatsbürger. 

SPÖ fordert Nationalen Aktionsplan

Mario Lindner, Gleichbehandlungssprecher der SPÖ, ruft die Regierung zum Handeln auf: Er fordert einen Nationalen Aktionsplan gegen Hass und ein umfassendes Diskriminierungsverbot aufgrund aller gesetzlichen Schutzgründe. Beide Maßnahmen würden von der schwarz-grünen Bundesregierung seit mehr als einem Jahr blockiert, so Lindner. 

Gerade bei Verbrechen gegen Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung ist der Handlungsbedarf besonders deutlich – das hat man im Pride Month Juni gesehen: Von rechten Störaktionen gegen Kinderbuchlesungen über zerstörte Regenbogenfahnen bis zu den Jugendlichen, die nach der Linz Pride auf offener Straße Opfer eines Hassangriffs wurden – der Hass war allgegenwärtig.