Rechtsextreme Ordner beim CSD Berlin? Einer der Veranstalter schweigt

Bis jetzt noch kein öffentlicher Kommentar von einer der größten Berliner Gay-Parties

Symbolbild: CSD Berlin
Symbolbild - Jörg Kanngießer - CC BY-NC 2.0

Am Samstag feierten in Berlin mehr als 350.000 Menschen den Christopher Street Day (CSD) mit einer großen Straßenparade. Nun gibt es einen bitteren Nachgeschmack: Denn zwei Trucks sollen unter anderem Securities mit rechtsextremen Tätowierungen geschützt haben. Nun schaltet sich auch die Berliner Senatsverwaltung ein.

Die Securities zweier Wagen hatten ein „Schwarze Sonne“-Tattoo

So zeigen Bilder und Videos in Sozialen Netzwerken, dass mehrere Ordner, die sowohl den Wagen der Schwulenberatung Berlin als auch den gemeinsamen Truck von Revolver Party und Bunte Vielfalt e.V. geschützt hatten, Tattoos mit der „Schwarzen Sonne“ hatten.

Dabei handelt es sich um drei schräg übereinandergelegte Hakenkreuze. Das Symbol wird von Teilen der Neonazi-Szene als Erkennungssymbol verwendet. Die betreffenden Securities sollen auch Bekleidung von Marken getragen haben, die in der rechtsextremen Szene beliebt sind.

Die Veranstalter sind entsetzt, weisen aber jede Verantwortung von sich

Beim Berliner CSD e.V., dem Veranstalterverein der Parade, ist man „entsetzt“. Man wende sich gegen jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. „Rechtsextreme und queerfeindliche Meinungen, Aussagen und Symbole stehen im kompletten Gegensatz den Werten, Forderungen und Botschaften des CSD e.V. und der Demonstration“, so der Verein in einer Stellungnahme.

Die Verantwortung für den Vorfall weist man allerdings zurück. „Jede:r Teilnehmende:r mit einem Fahrzeug ist selbst zuständig und verantwortlich für die Stellung der notwendigen Ordner:innen für sein Fahrzeug“, so der Verein weiter. Das Organisationsteam des CSD Berlin wisse nicht, welcher Wagen welche Dienstleister beauftrage.

Schwulenberatung Berlin kündigt Maßnahmen an, damit sich der Vorfall nicht mehr wiederholen kann

Bei der Schwulenberatung Berlin macht man klar: „Niemandem von uns und allen Gästen des CSD sind solche Symboliken und Haltungen zumutbar.“ Die beauftragte Sicherheitsfirma habe man als „sehr zuverlässig und seriös“ in Erinnerung. Für die Sicherung des CSD-Wagens habe sie aber eine Drittfirma beauftragt, dessen Personal sie nicht gekannt haben will.

Man habe nach ersten Hinweisen auf rechtsextreme Tattoos bei einem Ordner „umgehend reagiert“: Die Sicherheitsfirma habe eine Ablöse geschickt, bis diese vor Ort war, wurde eine Abdeckung des Tattoos angeordnet, „da er bis zum Eintreffen der Ablöse wegen der benötigten Mindestanzahl an Security nicht abgezogen werden durfte“.

Für die Zukunft wolle die Schwulenberatung Berlin „entsprechende Maßnahmen ergreifen. „Rechtsextreme Symbolen und Haltungen haben nicht nur auf den CSD, sie haben auch bei uns als Schwulenberatung Berlin nichts zu suchen“, schreibt sie auf Facebook.

Der Veranstalter des zweiten Wagens schweigt, der Sicherheitsdienst versucht sich zu wehren

Unzureichend ist allerdings die Reaktion des zweiten betroffenen Wagens. Die Veranstalter, Revolver Party und Bunte Vielfalt e.V., sind auf Tauchstation gegangen. Und die Entschuldigung der verantwortlichen Sicherheitsfirma Silas Protect wirkt unglücklich – beklagt man doch „haltlose Vorverurteilungen“. 

Auch hier sei der Security-Mitarbeiter über eine Drittfirma auf den CSD Berlin gekommen. Er habe der Firma mittlerweile „nachvollziehbar versichert“, dass er die Werte der Firma, darunter die Wichtigkeit einer diversen Gesellschaft, „ausnahmslos teilt“. Innerhalb des Unternehmens lehne man „jede Form von Diskriminierung, Rassismus und Ungleichbehandlung“ ab und distanziere sich insbesondere von nationalsozialistischem Gedankengut.

Senatsverwaltung kündigt Gespräch mit der Schwulenberatung an

Unterdessen hat sich auch die Berliner Politik in die Causa eingeschaltet. Antidiskriminierungs-Staatssekretärin Saraya Gomis bestätigte, dass bei ihr zahlreiche Beschwerden bezüglich der rechtslastigen Tattoos eingegangen waren. Sie forderte ein funktionierendes Beschwerdemanagement ein.

Justizsenatorin Lena Kreck von der Linken kündigte an, sich mit der Schwulenberatung „und gegebenenfalls weiteren von der Verwaltung unterstützten Organisationen“ zusammenzusetzen und „geeignete Maßnahmen“ zu ergreifen.