Ministerium kündigt Affenpocken-Schutzimpfung für Österreich an

Engpass bleibt - Ministerium nennt keine konkreten Zahlen

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Ein Teil der in Österreich vorhandenen Impfdosen gegen Affenpocken soll nun für eine vorbeugende Schutzimpfung verwendet werden. Damit erfüllt das Gesundheitsministerium eine dringende Forderung der Community. Basis für die Schutzimpfung ist eine aktuelle Empfehlung der EU-Arzneimittelbehörde EMA. Allerdings gibt es noch immer zu wenig Impfstoff gegen Affenpocken in Österreich. 

EMA empfiehlt: Schutzimpfung nur mit einem Fünftel der herkömmlichen Dosis

Letzten Freitag hat die EMA eine Empfehlung für den effizienteren Einsatz des Affenpocken-Impfstoffes veröffentlicht. Demnach reicht für eine vorbeugende Schutzimpfung ein Fünftel der herkömmlichen Dosis, wenn sie nicht unter die Haut gespritzt wird, sondern in die Haut. So sollen sie derzeit knappen Vorräte des Impfstoffes besser genutzt werden – auch in Österreich. 

Auf diese Weise soll ein Teil des vorhandenen Impfstoffs an Personen mit einem individuellen Risikoverhalten verabreicht werden. Dazu gehören neben Gesundheitspersonal, das an Affenpocken Erkrankte versorgt, besonders Männer, die Sex mit verschiedenen Männern haben.  

Wie viel Impfstoff dafür zur Verfügung steht, sagt das Ministerium nicht

Wie viele Personen so eine Affenpocken-Schutzimpfung erhalten sollen, hat das Gesundheitsministerium nicht bekanntgegeben. Der restliche Affenpocken-Impfstoff soll weiter für die Post-Expositionsprophylaxe (PEP) zur Verfügung stehen, also zum Schutz von Menschen, die mit Affenpocken-Infizierten in Kontakt gekommen sind. Für die Durchführung der Impfungen sind dann die einzelnen Bundesländer zuständig.

Lob für die Maßnahmen kommt erwartungsgemäß von den Grünen, die mit Johannes Rauch auch den Gesundheitsminister stellen. Marco Schreuder, Bundesrat und ehemaliger Vorsitzender der Grünen Andersrum, nennt die neue Richtlinie einen “Gamechanger”, jetzt gebe es “fast fünfmal so viel Impfstoff und daher auch die Möglichkeit, sich vorbeugend zu schützen”. 

„Ohne Impfstoff keine Lösung der aktuellen Situation“

Das sieht Mario Lindner, Gleichbehandlungssprecher der SPÖ, differenzierter. “Was in vielen europäischen Ländern schon im Sommer Standard war, wird damit auch in Österreich möglich”, so Lindner: “Klar ist aber, dass das allein ohne mehr Impfstoff keine Lösung der aktuellen Situation darstellt” Denn bis zum Herbst sollen in Österreich nur knapp 4.500 Impfdosen zur Verfügung stehen.  

Zum Vergleich: In Berlin wurden bis jetzt in den Impfstellen des Landes 6.417 Impfungen durchgeführt, davon bereits 90 Zweitimpfungen für besonders vulnerable Menschen. “Warum lässt der zuständige Minister zu, dass Österreich einmal mehr so hinterherhinkt?”, so Lindner. Er kündigt eine parlamentarische Initiative an, um Rauch, ähnlich wie in Deutschland oder Frankreich, zu direkten Verhandlungen mit den Herstellern zu bewegen. 

In Österreich bis jetzt 217 gemeldete Affenpocken-Fälle

In Österreich wurden bisher 217 Affenpocken-Fälle gemeldet. Davon sind mittlerweile 63 Erkrankte wieder genesen. Das geht aus aus den aktuellen Zahlen der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) vom Freitag hervor. 

Affenpocken: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Eine Ansteckung mit  Affenpocken erfolgt unter anderem durch engen Hautkontakt, beispielsweise durch Sex, mit erkrankten Personen. Zu den ersten Symptomen gehören Fieber, Schüttelfrost oder Muskelschmerzen – schon dann ist ein Affenpocken-Infizierter ansteckend. Erst später kommt es zu den für die Krankheit typischen Pusteln und Bläschen, deren Inhalt hochansteckend ist.  

Wer entsprechende Symptome hat, soll sich für eine weitere Abklärung rasch mit seiner Ärztin oder seinem Arzt in Verbindung setzen oder die österreichweite Gesundheits-Hotline 1450 anrufen.