Jugendgang verprügelt trans Frau in Bremer Straßenbahn

Einer verprügelt die Frau, die anderen feuern ihn an

Sujetbild: Blaulicht eines Polizeiautos
Sujetbild - Adobe Stock

Nur eine Woche nach der tödlichen Attacke auf Malte C. in Münster ist erneut eine trans Person in Deutschland zur Zielscheibe einer Hassattacke geworden: In Bremen ist eine trans Frau am Samstagabend in einer Straßenbahn von einer Gruppe Jugendlicher bedrängt und schwer verletzt worden.

Die Jugendlichen rissen der Frau ihre Perücke vom Kopf

Der Vorfall ereignete sich am Samstag gegen 19.35 Uhr in einer Straßenbahn der Linie 4 in Richtung Neustadt: Eine Gruppe von 10 bis 15 Jugendlichen beleidigten die 57 Jahre alte trans Frau zunächst. Dann rissen sie ihr die Perücke vom Kopf. 

Einer der Jugendlichen, Zeugen zufolge 14 bis 16 Jahre alt, schlug der Frau schließlich mit beiden Fäusten ins Gesicht. Die anderen Jugendlichen feuerten ihn dabei noch an, so eine Polizeisprecherin. Erst als andere Fahrgäste eingriffen, ließ die Gruppe von der Frau ab.

Die Bremer Polizei sucht nun Zeugen

Die Jugendlichen stiegen an der Haltestelle Schwankhalle aus der Straßenbahn und konnten unerkannt flüchten. Nun ermittelt der Bremer Staatsschutz wegen Hasskriminalität und gefährlicher Körperverletzung: Die Frau musste mit schweren Gesichtsverletzungen ins Krankenhaus, konnte dieses mittlerweile wieder verlassen.

Für die Ermittlungen hat die Polizei bereits die Aufnahmen aus der Überwachungskamera der Straßenbahn angefordert. Außerdem sucht die Polizei nach Zeug:innen: Der Angreifer soll zwischen 16 und 18 Jahre alt sein und etwa 1,70 Meter groß. Zur Tatzeit trug er ein weißes T-Shirt und eine Umhängetasche. Hinweise nimmt der Kriminaldauerdienst unter +49/(0)421/362-3888 entgegen.

Angriff sei „nicht hinnehmbar“, meint die Bremer Sozialsenatorin

Die Bremer Sozialsenatorin Anja Stahmann von den Grünen zeigte sich in einer ersten Stellungnahme über den Überfall erschüttert: „Es ist nicht hinnehmbar, dass Menschen wegen ihrer geschlechtlichen Identität um ihr Leben fürchten müssen“, betont sie.

Bestürzt zeigte sich auch die deutsche Innenministerin Nancy Faeser von der SPD. Der brutale Angriff zeige, „welch entsetzliche Folgen Hass und Gewalt gegen queere Menschen haben können“. Die Bundesregierung stelle gegen Diskriminierung und Gewalt, betonte sie. 

250 Menschen bei Solidaritätsdemonstration

Die Bremer Community zeigte am gestrigen Montag ihre Solidarität mit dem Opfer: Bei einer Mahnwache kamen nach Angaben der Polizei etwa 250 Menschen vor der Schwankhalle zusammen.

Unterstützung für die Mahnwache kam von Fußball-Bundesligist Werder Bremen. Er teilte den Aufruf auf Twitter und machte klar: „Der SV Werder verurteilt jegliche Gewalt und ist bestürzt über den Angriff auf eine trans Frau am Wochenende!“, heißt es in einem Posting.

Bereits in der letzten Woche, nach dem Christopher Street Day, gab es in Bremen einen LGBTI-feindlichen Übergriff: Nach der Demonstration beleidigten mehrere Jugendliche eine 25-Jährige und entrissen ihr eine Regenbogenfahne. Ende Juli wurde eine 40-Jährige trans Frau in Bremen beleidigt, geschlagen und mit Reizgas besprüht.