Schwule Männer ausgeraubt: Drei Burschen vor Gericht

Ein Opfer bleibt den Rest seines Lebens ein Pflegefall

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Aus Schwulenhass sollen drei Jugendliche im Alter von 18 und 19 Jahren gezielt schwule Männer über eine Dating-App in eine Falle gelockt und dann ausgeraubt haben. Letzte Woche begann vor dem Landgericht Bonn der Prozess gegen die jungen Männer. Sie sind unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und schweren Raubes angeklagt.

Über Romeo sollen sie schwule Männer in ihre Falle gelockt haben

Zu Beginn des Prozesses grinsen Sandro P., Cem T. und Olsay Y. noch selbstsicher in die Kameras der anwesenden Fotografen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, im Mai 2020 mehrere schwule Männer über die Dating-App Romeo zu einem Fake-Date gelockt und sie dann ausgeraubt zu haben.

Am 2.März 2020 sollen sie demnach einen 42 Jahre alten Mann in der Bonner Altstadt mit dem Messer bedroht und mit einer Holzstange auf den Kopf geschlagen haben. Das eingeschüchterte Opfer übergab dem Trio seine Geldbörse. Er konnte im Auto flüchten – dann habe ihm das Trio die Heckscheibe mit einer Metallstange zerschlagen.

Eines der Opfer wurde erst nach Stunden schwer verletzt gefunden

Vier Tage später soll ein weiteres Opfer durch den Angriff schwer verletzt worden sein: Der Staatsanwaltschaft zufolge haben die Jugendlichen gegen ein Uhr früh in der Nähe des Sportparks Nord einen 44-Jährigen mit einem Gegenstand bewusstlos geschlagen, um ihn Handy und Geldbörse zu stehlen.

Der Mann wurde erst gegen 9 Uhr gefunden. Er erlitt bei dem Überfall ein Schädel-Hirn-Trauma und ist seitdem ein Pflegefall. Dagmar Schorn, die Anwältin des 44-Jährigen, ist sich sicher: „Bei der Planung der Überfälle spielte Schwulenhass eine Rolle.“ 

Die Angeklagten bestreiten, aus Schwulenhass gehandelt zu haben

Einer der Angeklagten räumte die Vorwürfe am ersten Prozesstag ein, bestritt aber, dass sie gezielt schwule Männer gesucht hätten. Die Angeklagten sollen zudem als Mitglieder einer Jugendbande mehrfach Personen in der Bonner Altstadt grundlos zusammengeschlagen haben.

Insgesamt geht es bei dem Prozess deshalb um schweren Raub und gefährliche Körperverletzung in sechs Fällen. Der 19-Jährige ist für eine der Taten wegen versuchten Totschlags angeklagt. Für den Prozess sind bis Ende September noch sechs weitere Verhandlungstage angesetzt.