EuroPride in Belgrad: 87 Festnahmen und vereinzelte Angriffe auf Teilnehmer

Premier Brnabić ist "sehr stolz", dass "ernstere Zwischenfälle" verhindert werden konnten

Symbolbild: Belgrade Pride
Symbolbild - Belgrade Pride/Vesna Lalic

Fast wie geplant konnte am Samstag die EuroPride in der serbischen Hauptstadt Belgrad stattfinden. Gut 1.000 Menschen nahmen unter strömendem Regen an diesem Marsch für Vielfalt und Toleranz teil. Dessen Durchführung stand bis zum letzten Moment auf der Kippe. Bei Gegendemonstrationen gab es mehrere Verletzte.

Die Regierung versuchte, die Parade zu verhindern

Bereits Ende August hatte der serbische Präsident Aleksandar Vučić die Unterstützung des Staates für das einwöchige LGBTI-Festival öffentlichkeitswirksam zurückgezogen: Es werde keine EuroPride-Parade geben, beruhigte er das nationalklerikale Millieu in seinem Land, das auch mit Großdemonstrationen gegen die Veranstaltung mobil gemacht hatte.

Eine Woche vor der eigentlichen Parade hatte das serbische Innenministerium die EuroPride dann auch offiziell verboten – mit Verweis auf die Sicherheitslage. Das serbische Verwaltungsgericht bestätigte das Verbot noch am Samstag, und die Staatsanwaltschaft drohte allen, die trotzdem marschieren wollten, mit drakonischen Geldstrafen.

Die Proteste der europäischen Politik haben gewirkt

Aufgrund der deutlichen Proteste europäischer Politiker einigte sich die Polizei mit den Veranstaltern offenbar inoffiziell auf eine deutlich kürzere Route, die von bis zu 6.000 Polizist:innen geschützt wurde. Anstatt durch die halbe Innenstadt von Belgrad zu marschieren, gab es nun einen wenige hundert Meter langen Marsch zwischen dem Verfassungsrat und einem nahegelegenen Park.

Dadurch konnte auch die rechtskonservative Regierung ihr Gesicht wahren: Sie behauptete ihren Anhängern gegenüber, dass der Marsch der EuroPride doch nicht stattgefunden hätte. Die Teilnehmerinnen seien lediglich „zu einem Konzert eskortiert“ worden, erklärte etwa der serbische Innenminister Aleksandar Vulin.

Im strömenden Regen marschierte die Community durch die Innenstadt

Doch egal, wie man den Marsch nennt – die Teilnehmer:innen gingen unter dem Missfallen der Regierung mit ihren Bannern und Transparenten durch die Belgrader Innenstadt. Ein nicht zu unterschätzender Sieg der serbischen LGBTI-Community und ihren Unterstützer:innen in ganz Europa, die auch zum Marsch gekommen waren.

Trotz der massiven Sicherheitsmaßnahmen gab es umfangreiche Gegenproteste von Rechtsextremen und Ultra-Klerikalen. Der Nachrichtenagentur AFP zufolge drängten Polizist:innen am Rande des EuroPride-Marsches immer wieder kleinere Gruppen von Gegendemonstranten, die Kruzifixe schwenkten, zurück.

Nach der Pride kam es zu Angriffen auf Teilnehmer:innen

Dabei kam es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Randalierern. Hooligans sollen Rauchbomben gegen Einsatzkräfte geschleudert haben. Dreizehn Polizist:innen sollen verletzt worden sein. Vulin zufolge gab es 87 Festnahmen, gegen elf der Festgenommenen werde strafrechtlich ermittelt.

Nach der Pride kam es allerdings zu mehreren gewaltsamen Angriffen auf Teilnehmer:innen: So griffen Rechtsextreme zehn albanische LGBTI-Aktivist:innen an, die sich auf dem Rückweg vom Hotel befanden. Zwei von ihnen mussten ärztlich versorgt werden, berichtet ein Journalist der Deutschen Welle.

Für die serbische Premierministerin war der Marsch ein Erfolg

Nadine Langer, Journalistin des deutschen Tagesspiegel  und privat in Belgrad, berichtet, dass sie und eine Freundin auf dem Rückweg von der Demonstration von einem Mob niedergeschlagen wurde. „Wir hatten Glück, wir haben nur kleinere Verletzungen – aber es ist sehr verstörend“, sagte sie danach ihrer Zeitung.

Für die offen lesbische Regierungschefin Ana Brnabić, die die EuroPride zunächst unterstützt hatte, aber dann auf den Kurs des Präsidenten eingeschwenkt war, war der Marsch trotzdem ein gewisser Erfolg: „Ich bin sehr stolz darauf, dass es uns gelungen ist, ernstere Zwischenfälle zu vermeiden“, erklärte sie gegenüber Reporter:innen.