Trotz schwerer Schmerzen: Tiroler Krankenhaus weist Affenpocken-Patienten ab

Kein Isolationsbett für einen schwulen Schwarzen?

Symbolbild: Affenpocken
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Viele Menschen, die sich mit Affenpocken anstecken, haben Angst, mit dieser Krankheit stigmatisiert zu werden. Genau das dürfte nun einem Mann in Tirol passiert sein, zusammen mit einer Portion Fremdenfeindlichkeit – in einem Krankenhaus, wie die Presse   berichtet.

Der Betroffene ist einer der ersten Affenpocken-Patienten in Tirol

Ende Juli bemerkt der Mann, der anonym bleiben möchte, kleine Punkte in der Leistengegend, als er in einem Restaurant auf die Toilette geht. Schnell wird klar: Er hat Affenpocken – als einer der ersten Menschen in Tirol. Wie er sich angesteckt hat, weiß er bis heute nicht.

Die charakteristischen Bläschen breiteten sich vom Lendenbereich ausgehend auf den ganzen Körper aus, sie jucken und schmerzen. Lymphknoten und Geschlechtsteile schwellen an. „Ich war noch nie in meinem Leben so krank. Ich wünsche diese Schmerzen niemandem“, erinnert er sich heute. Salben oder Allergie-Medikamente brachten keine Linderung.

Im Krankenhaus können sie nicht für ihn tun, hört er – auch, als die Schmerzen schlimmer werden

Doch als er deshalb mit seinem Lebensgefährten in ein Tiroler Krankenhaus fährt, wird er dort abgewiesen. Er soll alleine nach Hause gehen und in Quarantäne abwarten, bis die Krankheit abklingt. Man könne nicht viel tun, erklärt man ihm dort.

Doch der Krankheitsverlauf verschlimmert sich von Tag zu Tag. Seine Schmerzen seien kaum zu ertragen, meint der Tiroler, und er konnte sich zum Schluss nicht einmal mehr selbst etwas zum Essen machen. Als er schließlich mit der Rettung ins Krankenhaus kommt, bekommt er dort nur eine Cortison-Infusion – und muss wieder nach Hause.

Sein Partner musste aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen

Sein Lebensgefährte kann es nicht fassen: „Mein Freund ist schwul und schwarz und kein Österreicher. Niemand kann mir erklären, dass es im Krankenhaus Anfang August keine Isolationsbetten gibt.“ Er selbst musste aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen, um sich nicht mit Affenpocken anzustecken.

Affenpocken: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Weil er aber keine andere Unterkunft hatte, hat ihm das Land Tirol zunächst einen Platz in einer Flüchtlingsunterkunft organisiert – ohne Schreibtisch, obwohl er im Home Office arbeiten musste. Schließlich konnte ihm sein Arbeitgeber eine Dienstwohnung zur Verfügung stellen.

Dem infizierten Mann geht es nach drei Wochen besser. Die leichten Narben am Körper, die man noch sieht, werden in spätestens einem Jahr verschwunden sein. Doch die Narben auf der Seele – die werden bleiben. Auch bei seinem Partner: Er habe „ein bisschen den Glauben an das Gesundheitssystem verloren“, meint der.