Neue Erkenntnisse nach Angriff auf trans Frau in Bremer Straßenbahn

LGBTI-feindliche Gewalt soll in Bremen künftig extra ausgewiesen werden

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Neue Erkenntnisse gibt es über den Angriff auf eine trans Frau in einer Bremer Straßenbahn am 5. September: Eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen hat die Frau zunächst beleidigt und bedrängt, ihr dann die Perücke vom Kopf gerissen, einer der Jugendlichen hat schließlich mit beiden Fäusten mehrmals auf sie eingeprügelt, sodass sie im Krankenhaus ambulant behandelt werden musste. 

Nasenbein gebrochen, Brille stark beschädigt

Dabei hat der Angreifer der 57 Jahre alten Frau das Nasenbein gebrochen und ihre Brille stark beschädigt. Das geht aus einem Bericht der Innenbehörde hervor, der auf Bitte der FDP in der Innendeputation des Bremer Senates vorgestellt wurde.

„Nach derzeitigem Ermittlungsstand war die Geschädigte für die Tätergruppierung aufgrund ihrer optischen Erscheinung augenscheinlich als transidente Person erkennbar“, zitiert der Weser-Kurier   aus dem Bericht. Weil sich sich Täter und Opfer vorher nicht gekannt hätten, sei von einem „transfeindlichen Motiv“ auszugehen.

Der mutmaßliche Haupttäter ist noch nicht strafmündig

Bereits letzte Woche wurde der mutmaßliche Haupttäter ausgeforscht. Da er erst 13 Jahre alt ist, kann er wegen der Tat aber nicht strafrechtlich belangt werden. Die Ermittlungen der Polizei gehen weiter: Die Beamt:innen gehen davon aus, dass einige Mittäter:innen strafmündig seien.

Bis jetzt hätten sich bei der Bremer Polizei zehn Zeug:innen gemeldet. Aufgrund ihrer Aussagen und der Videoaufzeichnung aus der Straßenbahn lässt sich sagen, dass drei Personen der bedrängten trans Frau zu Hilfe eilten. 

Drei Fahrgäste halfen der trans Frau in der Straßenbahn

Was die Videoaufzeichnung auch zeigt: Auch bei den Jugendlichen gibt es einige, die in die Auseinandersetzung eingriffen und die Frau dabei nicht attackierten. Ob sie der 57-Jährigen tatsächlich helfen wollten, lasse sich aufgrund der „unübersichtlichen Gesamtsituation“ aber nicht sicher nachvollziehen.

Die Frage der FDP, ob Straftaten gegen die LGBTI-Community in Bremen statistisch besonders erfasst würden, verneint die Innenbehörde. Diese Taten würden derzeit nicht gesondert erfasst. Allerdings plant der Bremer Senat, Zahlen zu queerfeindlichen Straf- und Gewalttaten ab 2023 in der Kriminalstatistik zu veröffentlichen.