„Vertrottelte Schwulen-Persiflage“: Kritik an Theater-Kritik

Wortwahl sorgt für Verstörung

Bunbury. Ernst sein is everything!
Lex Karelly/Bühnen Graz

Für heftige Kritik sorgt derzeit eine Kritik – jene der Austria Presse Agentur (APA) zur aktuellen Inszenierung von Oscar Wildes Stück “Bunbury. Ernst sein is everything!” im Schauspielhaus Graz. 

Regisseurin Claudia Bossard thematisiert den homosexuellen Subtext des Stückes

Regisseurin Claudia Bossard verwendet in ihrer Fassung viele englische Originalzitate und verwebt auch Wildes Biografie in der Inszenierung: Denn “being earnest” war zu Wildes Zeiten auch eine Chiffre für “schwul sein”, und das ist in dem Stück auch ein wesentliches Thema. 

In dem Stück erfinden zwei Dandys Doppelgänger, um ihre geheimen Sehnsüchte auszuleben. Die schwulen Chiffren im Stück holt die Fassung von Bossard ans Licht: „Wir wollten das nicht mehr deckeln. Wir haben es von Anfang an so untersucht, dass es klar ist, dass es eine Sprache des Begehrens und der Liebe ist.“

„Eine derbe Queer-Komödie“ mit „dermaßen tuntigen“ Darstellern

In der Theaterkritik der APA, die von vielen österreichischen Medien übernommen wurde, heißt es, aus einer “witzig-scharfzüngigen Konversationskomödie” wurde “eine derbe Queer-Klamotte”, später fällt auch die Bezeichnung “vertrottelte Schwulen-Persiflage”.  

Weiters heißt es, Bossards Anfangsüberlegung sei es gewesen “Wildes Homosexualität zum roten Faden des Geschehens zu machen und einfach alle Männer schwul sein zu lassen”. Die beiden Hauptfiguren würden sich “dermaßen tuntig” benehmen, “dass die Beziehung zu den Frauen nicht nur verlogen, sondern einfach komplett unwahrscheinlich wirkt”.

Theater reagiert und lädt zu einem Nachgespräch

Nun wehrt sich das Schauspielhaus Graz in einem offenen Brief gegen diese Wortwahl, “mit der die Spielweise der Darsteller*innen beschrieben und abqualifiziert wurde”. “Dass Spielformen und Codes einer nicht-heteronormativen Männlichkeit mit herabwürdigenden Begrifflichkeiten beurteilt werden, zeigt uns, dass die Inszenierung einen nach wie vor wunden Punkt in unserer Gesellschaft trifft”, heißt es in dem Statement. 

Das Theater wünscht sich – auch “auch zum Wohle unseres zum Teil queeren Ensembles” – dass Kritiker in diesem Zusammenhang ihre Kritiken stärker reflexieren und macht ihnen ein Angebot. So gibt es am 20. Oktober nach der Aufführung von “Bunbury. Ernst sein is everything!” ein Nachgespräch über nicht-heteronormative Männlichkeit auf der Bühne und in der Gesellschaft.