Mariahilf benennt Platz nach Pionier der Schwulen- und Aids-Bewegung

30 Jahre nach dessen Tod wird der Platz vor dem Aidshilfe-Haus nach Reinhardt Brandstätter benannt

Aids Hilfe Haus
Aids Hilfe Wien

Der Wiener „Regenbogenbezirk“ Mariahilf benennt einen Platz nach dem Gründungsmitglied der Aidshilfe Wien um. Das hat die Bezirksvertretung nach einem gemeinsamen Antrag aller Parteien mit Ausnahme der FPÖ beschlossen. Vor kurzem hat der Nachbarbezirk Margareten einen Platz nach Helga Pankratz, Pionierin der Lesbenbewegung, benannt.

Einer der ersten LGBTI-Aktivisten Österreichs: Ein Platz für Reinhardt Brandstätter

So wird die Verkehrsfläche vor dem Aidshilfe-Haus am Gumpendorfer Gürtel künftig nach Reinhardt Brandstätter benannt. Der Mediziner engagierte sich stark in der Lesben- und Schwulenbewegung. So war er unter anderem 1979 bei den ersten Treffen dabei, die zur Gründung der HOSI Wien führten.

Im Jahr 1983 initiierte Brandstätter zusammen mit der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundheit und anderen Partner:innen die erste AIDS-Informationsbroschüre für schwule Männer in Europa. Im Jahr 1984/85 begründete er die erste größere Studie in Europa über die Prävalenz von HIV-Antikörpern.

Einer der Mitbegründer der Österreichischen Aidshilfe

Im Jahr 1985 organisierte er, während seiner Arbeit im Gesundheitsministerium, gemeinsam mit der Dermatologin Judith Hutterer die Gründung der Österreichischen Aidshilfe (ÖAH). Noch im gleichen Jahr nahm die erste Beratungsstelle in Wien ihren Betrieb auf. 

Bis 1987 folgten sechs weitere in Graz, Bregenz, Innsbruck, Salzburg, Klagenfurt und Linz. Ziel der Aidshilfe war es von Anfang an, die Gesamtbevölkerung mit einzubinden und trotz zielgruppenspezifischer Kampagnen eine Anlaufstelle für alle Bevölkerungsgruppen zu bilden. Er war auch der Leiter der ersten AIDS-Beratungsstelle.

Reinhardt Brandstätter verstarb 1992 an den Folgen von HIV und AIDS. Sein Todestag jährt sich heuer somit zum 30. Mal. Die Bezeichnung des Platzes ist nun eine bleibende Hommage an diesen Pionier der Lesben- und Schwulenbewegung in Österreich sowie der wichtigen Arbeit der Aidshilfe.

Weitere Umbenennungen gegen das Vergessen

Außerdem hat die Mariahilfer Bezirksvertretung noch die Umbenennung von zwei weiteren Orten im Bezirk beschlossen: So wird der Platz vor der Mariahilfer Kirche an der Mariahilfer Straße künftig nach der bekannten Historikerin Erika Weinzierl benannt werden. In Erinnerung an das jüdische Gotteshaus, das einst am Loquaiplatz stand, wird der dortige Park Schmalzhoftempelpark heißen.

„Den Vorschlägen gingen Diskussionen im Bezirksparlament sowie der Kulturkommission Mariahilf voraus. In einer Arbeitsgruppe wurde die Benennung schlussendlich konsensual erarbeitet und kann zum Beschluss der Bezirksvertretung vorgelegt werden“, so Sandro Beer, Klubvorsitzender der SPÖ Mariahilf.

Und Markus Rumelhart, der einzige offen schwule Bezirksvorsteher Wiens ergänzt: „Gemeinsam haben wir die Umbenennung auf den Weg gebracht, uns die Meinungen von Historikern eingeholt und zu einem guten Ergebnis gebracht.“