Auftritt bei Trans-Hassgruppe: Scharfe Kritik an Faika El-Nagashi

Auch Grüne LGBTI-Sprecherin schließt sich der Kritik an ihrer Parteikollegin an

Faika El-Nagashi
Grüne Wien

Für Diskussionen sorgte die Ausladung der Grünen Nationalratsabgeordneten Faika El-Nagashi vom dritten Kongress der EuroCentralAsian Lesbian Community (EL*C) in Budapest. Grund dafür: Die Positionen der Politikerin zu trans Themen. Nun legt sie nach – und kündigt ihren Auftritt bei einer bekannt trans-feindlichen Konferenz an. 

Von Lesbenkonferenz ausgeladen, von Trans-Hassern eingeladen

So wird El-Nagashi am 21. Oktober in London bei der jährlichen Konferenz der “LGB Alliance” sprechen. Die 2019 gegründete Gruppe wurde wegen ihrer Ablehnung von trans Menschen unter anderem von der London Pride, der LGBT-Gruppe der britischen Liberaldemokraten oder der Co-Vorsitzenden der englischen Grünen, Carla Denyer, als Hassgruppe eingestuft. 

Trotzdem schreibt Faika El-Nagashi über ihre Einladung zur Konferenz auf Twitter: “Danke, dass ihr mich dabeihaben wollt.” Das sorgt in der österreichischen Community zusehens für Ärger und Irritation. Der Lesbenrat, ein Zusammenschluss von Frauen aus verschiedenen Organisationen der Community, kritisiert den Auftritt der Grünen Nationalratsabgeordneten scharf. 

El-Nagashi nimmt „Gefährdung einer Aktivistin wissentlich in Kauf“

Auch kritisiert der Lesbenrat in einen offenen Brief, dass El-Nagashi in einem Interview eine Aktivistin der EL*C öffentlich beschuldigt, für ihre Ausladung von der Konferenz verantwortlich zu sein: “Während sich Faika El-Nagashi als Abgeordnete freiwillig in die Öffentlichkeit stellt, nimmt sie mit ihren öffentlichen namentlichen Anschuldigungen gegenüber der ehrenamtlichen EL*C-Aktivist*in deren Gefährdung wissentlich in Kauf”, heißt es. 

“Wir beobachten, wie Faika El-Nagashi in vielen kleinen Schritten weiter Brücken abbrennt, anstatt den Dialog in den vielen Gesprächsangeboten, die ihr gemacht wurden, zu suchen”, so der Lesbenrat, dem auch Grüne Organisationen und Aktivistinnen angehören, weiter. Sie repräsentiere “nicht die Mehrheit der lesbischen Community und schon gar nicht die der LGBTIQ-Community in Österreich”. 

Ein klares Bekenntnis zu einer inklusiven LGBTI-Community

Man stehe für eine inklusive LGBTI-Community, “in der der Kampf um Rechte und Akzeptanz erst beendet ist, wenn alle Mitglieder unserer Community alle Rechte genießen und in der gesamten Gesellschaft akzeptiert sind”. Man lasse sich “weder von außen noch von innen” spalten: “Aussagen, die transidenten Personen ihr Existenzrecht absprechen, ja ihre Menschenrechte gar zur Diskussion stellen, sind keine Meinungen, sondern sie schüren Vorurteile und Hass gegen transidente Personen. Ein solches Verhalten hat in unserer Community keinen Platz.”

Initiiert wurde der Brief von Tatjana Gabrielli, der Vorsitzenden der SoHo Wien, Lisa Hermanns, LesBiFem-Referentin der HOSI Wien, Marty Huber von Queer Base, HOSI-Wien-Obfrau Ann-Sophie Otte und Katharina Schöll, Sprecherin der Grünen Andersrum Wien. Unterstützt wird er von fast 30 Personen und Organisationen – unter anderem auch von der Grünen LGBTIQ-Sprecherin Ewa Ernst-Dzedzic.