Katar: Festgenommen, weil der Polizei der Gesichtsausdruck nicht gefiel

So misshandelt die Polizei in Katar Lesben, Schwule und trans Frauen

Doha Katar
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Unglaubliche Schilderungen gibt es von sechs queeren Menschen aus Katar, wo in wenigen Wochen die Fußball-WM beginnt. Sie wurden willkürlich festgenommen, misshandelt und inhaftiert. Das geht aus einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hervor. Und die Erzählungen der Betroffenen gleichen sich auffallend.

Sechs Fälle schwerer Polizeiwillkür sind dokumentiert

HRW dokumentierte sechs Fälle von schweren und wiederholten Schlägen und fünf Fälle von sexueller Belästigung in Polizeigewahrsam, die sich zwischen 2019 und 2022 ereigneten. Die Betroffenen wurden jeweils ohne Anklage in einem unterirdischen Gefängnis in Al Dafneh festgehalten – in einem Fall für zwei Monate in Einzelhaft.

Sicherheitskräfte erpressten in dem Gefängnis Geständnisse und verweigerten den Häftlingen den Zugang zu Rechtsbeistand, Familienangehörigen und medizinischer Versorgung. Als Voraussetzung für ihre Freilassung mussten sie unter anderem Erklärungen unterschreiben, in denen sie sich verpflichteten, “unmoralische Aktivitäten einzustellen”.

Marokkanische Lesben, philippinische Schwule im unterirdischen Gefängnis

“Ich habe viele andere LGBT-Menschen gesehen, die dort festgehalten wurden: zwei marokkanische Lesben, vier philippinische Schwule und einen nepalesischen Schwulen”, berichtet eine trans Frau: “Ich wurde drei Wochen lang ohne Anklage festgehalten, und die Beamten belästigten mich wiederholt sexuell. Eine Voraussetzung, um freizukommen war die Teilnahme an Sitzungen mit einem Psychologen, der ‘mich wieder zu einem Mann machen würde’.”

Festgenommen wurden die Menschen an öffentlichen Orten – unter anderem wegen ihres Gesichtsausdrucks. Dann wurden ihre Telefone rechtswidrig durchsucht, teilweise begannen die Misshandlungen noch im Polizeiauto. So berichtet eine trans Frau, dass sie geschlagen wurde, bis Lippen und Nase bluteten, dann traten ihr Sicherheitskräfte in den Bauch. “Ihr Schwulen seid unmoralisch, also werden wir dies mit euch sein”, soll einer der Beamten dabei gerufen haben.

„Sie rasierten mir auch die Haare“

Eine andere trans Frau wurde von der Abteilung für präventive Sicherheit festgenommen und musste sich das Make-up aus dem Gesicht wischen – dann wurden die Tücher als Beweismittel gegen sie verwendet. “Sie machten ein Foto von mir mit den Tüchern in der Hand. Sie rasierten mir auch die Haare”, berichtet sie. Sie wurde freigelassen, nachdem sie ein Versprechen unterschrieben habe, kein Make-up mehr zu tragen.

Eine bisexuelle Frau erinnerte sich, dass sie Beamte der Abteilung für präventive Sicherheit so lange schlugen, bis sie das Bewusstsein verlor. “Ein Beamter brachte mich mit verbundenen Augen an einen anderen Ort, der von innen wie ein Privathaus aussah, und zwang mich zuzusehen, wie Menschen geschlagen wurden”, sagt sie der Menschenrechtsorganisation.

Eine trans Frau war ohne Anklage zwei Monate in einer Einzelzelle

Eine andere trans Frau sei zweimal eingesperrt worden: Einmal für zwei Monate in einer unterirdischen Einzelzelle, das zweite Mal für sechs Wochen. “Sie haben mich jeden Tag geschlagen und meine Haare rasiert. Sie zwangen mich, meine Bluse auszuziehen und machten ein Foto von meinen Brüsten.” Bis heute leidet sie an den Folgen der Schikanen, hat Albträume und traut sch nicht in die Öffentlichkeit.

Die Regierung in Doha bestreitet die Vorwürfe: Katar dulde keine Diskriminierung, und man verpflichte sich zur Wahrung der Menschenrechte für alle, so ein Sprecher in einer Stellungnahme. Es gebe keine “Konversionszenten”, lediglich eine “Rehabilitationsklinik” für Drogenabhängige, Menschen mit Essstörungen oder “Gemütskrankheiten”.