„Schwuchtel, gib Geld und iPhone!“: Zwei Angriffe in der Region Hannover

Doch die Polizei wollte die Community zunächst nicht warnen

Sujetbild: Blaulicht eines Polizeiautos
Sujetbild - Adobe Stock

Zwei schwulenfeindliche Angriffe hat es in der Region Hannover gegeben: Sowohl in Hannover als auch in Garbsen im Umland der Landeshauptstadt sind Paare von Unbekannten angegriffen worden. Dass es sich bei den Angriffen um Hassverbrechen handeln könnte, wurde erst nach Medienanfragen öffentlich.

In Garbsen wurden zwei Männer angegriffen, weil sie sich küssten

Wie erst jetzt bekannt wurde, ereignete sich der Vorfall bereits am vergangenen Montag, dem 31. Oktober: Als sich zwei Männer, 22 und 26 Jahre alt, an einer Bushaltestelle einen Kuss gaben, stürmte plötzlich ein unbekannter Mann auf sie zu und pöbelte sie lautstark an.

Dann schlug er zunächst dem 22-Jährigen ins Gesicht, anschließend dem 26-Jährigen. Durch die Wucht des Schlages traf der Kopf des 26-Jährigen das Kinn einer 32 Jahre alten Begleiterin des Paares, das mit den beiden an der Bushaltestelle gewartet hatte. Alle drei wurden durch die Schläge des Unbekannten leicht verletzt. Der Angreifer konnte zu Fuß in unbekannte Richtung flüchten. 

Nun sucht die Polizei nach Zeug:innen. Der Täter wurde als circa 1,80 Meter groß, kräftig mit dunklen Haaren und dunklem Bart beschrieben. Während der Tat trug er ein Basecap, eine dunkelblaue Daunenjacke, eine blaue Hose und schwarze Schuhe.

In Hannover wurde ein schwules Paar beleidigt und verprügelt

Am Sonntag zuvor haben zwei Unbekannte gegen 4.10 Uhr im Steintorviertel kurz vor dem Brauhaus Ernst August in der Schmiedestraße den 33-Jährigen Jan E. aus Köln misshandelt, der mit seinem Lebensgefährten unterwegs war. Die beiden Männer beleidigten das Paar, dann schlugen sie den 33-Jährigen gegen den Kopf, traten ihn und versuchten, ihm Wertgegenstände zu stehlen.

Dabei soll auch der Satz „Schwuchtel, gib Geld und dein iPhone!“ gefallen sein. Da sich der 33-Jährige lautstark wehrte, flüchteten die Angreifer schließlich ohne Beute. Das Opfer musste mit einer 13-cm-Platzwunde über dem linken Auge und Prellungen in der Notaufnahme eines Krankenhauses versorgt werden.

Die Täter konnten auch in diesem Fall unerkannt entkommen. Der Polizei liegt nur eine vage Täterbeschreibung der beiden Männer vor. Einer der Angreifer ist etwa 1,80 Meter bis 1,85 Meter groß, schlank und ca. 20 bis 22 Jahre alt. Er hat kurze blonde, gegelte Haare, die er zu einer Igel-Frisur trägt. Bei der Tat trug er einen schwarzen Pullover. Sein Komplize ist ungefähr 20 Jahre alt und hatte dunkle Haare.

Die Polizei Hannover hatte zunächst nicht über die schwulenfeindlichen Taten informiert

Zeug:innen beider Fälle werden gebeten, sich beim Kriminaldauerdienst Hannover unter der Telefonnummer +49/(0)511/109-5555 zu melden. Der Staatsschutz des Zentralen Kriminaldienstes Hannover geht in beiden Fällen von LGBTI-feindlicher Hasskriminalität aus. Er ermittelt wegen vorsätzlicher Körperverletzung und vorsätzlichen Raubes.

Außerdem weist die Polizeidirektion Hannover darauf hin, dass es mit Leon Dietrich eine eigene Ansprechperson für LGBTI gibt, die bei Bedarf beratend und begleitend unter der Telefonnummer +49/(0)511/109-1076 zur Verfügung steht.

Irritierend ist, dass die Polizeidirektion Hannover die Öffentlichkeit zunächst nicht über die beiden schwulenfeindlichen Attacken informiert hat. Erst nach einer Anfrage der Bild-Zeitung, nachdem Jan E. den Angriff auf Twitter öffentlich gemacht hat, wurden die beiden Pressemeldungen veröffentlicht.