Mittwoch, 19. Juni 2024
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„Torjubel für WM zu schwul“: „Exxpress“ und FPÖ-Politiker fallen auf Satire herein

Nach mehr als 24 Stunden ist der Fake-Artikel noch immer online

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Einem Satire-Artikel der deutschen Welt sind das populistische ÖVP-nahe Onlinemedium Exxpress und mehrere FPÖ-Politiker:innen hereingefallen. Das berichtet der Kurier . In einem Artikel der Satirerubrik Glasauge war zu lesen, dass Torjubel der Spieler bei der Fußball-WM in Katar als “zu schwul” verboten wurde. 

„Verschwitzte Männer, die sich selig in den Armen lägen, könnten die Gefühle der Kataris verletzen“

“Verschwitzte Männer, die sich selig in den Armen lägen, aufeinander hüpften oder sich gegenseitig freudetrunken küssten, könnten die Gefühle der Kataris verletzen, so [FIFA-Chef Gianni] Infantino”, hieß es in dem Artikel. Verfasst wurde der als Satire gekennzeichnete Artikel von Jean Gnatzig, seines Zeichens “Head of Silly Content”, also “Leiter der albernen Inhalte” beim Glasauge

Doch obwohl der Artikel als Satire gekennzeichnet war, wurden dessen Inhalte am Donnerstagvormittag vom Exxpress (Slogan: „Für Selberdenker“) in einer eigenen Geschichte weiterverbreitet: “Wegen des starken Verdachts von homosexuellen Handlungen in der Öffentlichkeit würde den Nationalspielern bis zu sieben Jahren Haft, Peitschenhiebe sowie im Extremfall die Hinrichtung drohen, betonte die FIFA. Das wiederum käme bei den Werbepartnern nicht besonders gut an, ergänzte der Chef des Weltfußballverbandes”, hieß es dort. Am Freitagnachmittag war der Artikel noch immer online. 

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Der FPÖ-Sportsprecherin war der Artikel eine eigene Presseaussendung wert

Auch in der FPÖ dürfte der Satirecharakter des Artikels übersehen worden sein. So schrieb Sportsprecherin Petra Steger sogar eine Presseaussendung zu der Glasauge-Meldung. “Heute lässt die FIFA wissen, dass die Spieler nach einem erzielten Tor nicht allzu ausgelassen mit ihren Teamkameraden jubeln sollen, da dies für die Kataris als ‘zu schwul’ gelten könnte”, zitierte sie die Satiremeldung. 

Wie der Kurier schreibt, teilte auch der ehemalige FPÖ-Obmann und Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer die Exxpress-Meldung. “Ich werde kein Spiel dieser WM ansehen und bin mehr als unglücklich über eine derartige Fehlentscheidung beim Austragungsort eines so wichtigen Sportereignisses.”, schrieb er dazu. Nach dem Hinweis eines Facebook-Fans hat Hofer den Link zum Artikel entfernt. 

Doch auch ohne Satireartikel hätten die Politiker:innen und Medien genügend Gründe, die Fußball-WM in Katar zu kritisieren. So war die Vergabe der WM von Korruption begleitet, beim Bau der Stadien sollen tausende Gastarbeiter ums Leben gekommen sein. Homosexualität ist in Katar verboten, Angehörige sexueller Minderheiten werden ohne Anklage über Wochen in Gefängnissen festgehalten