Sexuelle Annäherung an Parteifreunde: Vorwürfe gegen Wiener ÖVP-Politiker

Vorwurf der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung - Gegenklagen wegen Verleumdung

Justitia
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Schwere Vorwürfe gibt es gegen einen Wiener ÖVP-Politiker: Er soll einen jungen Parteifreund vergewaltigt und einen anderen sexuell belästigt haben. Auch ein Mitglied der Grünen gab an, von dem Mann bedrängt worden zu sein. Der Politiker bestreitet alle Vorwürfe und klagt nun seinerseits, es gilt für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung.

Vergewaltigungsvorwurf nach einem gemeinsamen Barbesuch

Wie der Kurier  berichtet, soll einer der Männer, ein Mitarbeiter der Jungen Volkspartei (JVP), im März 2017 mit dem Politiker auf eine Veranstaltung in der Roten Bar im Volkstheater gegangen sein. Dort habe man getrunken – und von dem, was dann geschehen ist, gibt es zwei Versionen. 

Sascha Flatz, der Anwalt des jungen Mannes, sagt gegenüber dem ORF Wien , sein Mandant könne sich nicht mehr daran erinnern, was nach dem Bar-Besuch geschehen sei: “Er kann sich nur mehr daran erinnern, dass er bei der Person zu Hause im Bett aufgewacht ist und dort von ihm vergewaltigt worden ist.” 

„Jahrelange Freundschaft“ und Arbeitsverhältnis

Dem widerspricht Helmut Graupner, der Anwalt des Politikers, entschieden: Der Sex sei einvernehmlich gewesen, danach seien eine “jahrelange Freundschaft” und sogar ein Arbeitsverhältnis entstanden. 

“Wenn sie von jemandem vergewaltigt werden, beginnen sie dann mit dieser Person kurz danach eine enge Freundschaft, die über zweieinhalb Jahre immer enger wird, wo sie viel Zeit mit ihrem angeblichen Vergewaltiger in dessen Wohnung verbringen, wo sie ihm dann die Wäsche bügeln, die Wäsche waschen, ihm im Haushalt helfen und dann freudig im Internet auch darüber berichten?”, wundert sich Graupner über die Anschuldigungen.

Auch ein zweiter JVP-Politiker hat Anzeige gegen den Mann eingebracht

Doch das ist nicht der einzige Fall, in dem es um den ÖVP-Politiker geht: Ein zweiter Jungpolitiker, ebenfalls aus den Reihen der JVP, hat letztes Jahr ebenfalls Strafanzeige gegen den Mann wegen sexueller Belästigung eingebracht. “Erst im Zuge des Lockdowns als er wieder zur Ruhe gekommen ist, der Arbeitsstress nachgelassen hat, hat er sich auf einmal wieder daran erinnern können, es gab einen sogenannten Flashback”, so Flatz, der auch den zweiten Mann vertritt. 

Die Staatsanwaltschaft hat diesen Erinnerungen allerdings keinen Glauben geschenkt. Sie hat die Ermittlungen in beiden Fällen eingestellt. Dafür läuft gegen die mutmaßlichen Opfer seit letzter Woche nun ein Gerichtsverfahren wegen Verleumdung. “Mein Mandant ist Opfer”, betont Graupner. 

Nun gibt es noch ein drittes mutmaßliches Opfer des VP-Politikers

Doch dem widerspricht nun ein dritter Mann. Der Mann, dem Kurier zufolge bei den Grünen tätig, behauptet, im April 2019 von dem ÖVP-Politiker belästigt worden zu sein. Der Mann habe ihn in seine Wohnung eingeladen. Dort habe er ihn ungefragt geküsst. “Aber dann wurde ich auf den Boden gestoßen, er wollte auf mich drauf”, so der Mann gegenüber dem Kurier. 

Und während Flatz den Mann als Zeuge laden will, weist Graupner auch diese Vorwürfe zurück: “Er hat nachdrücklich versichert, dass so etwas nie stattgefunden hat. Man muss auch berücksichtigen: Es stammt vom politischen Gegner”, so der Anwalt. Die Entscheidung, ob der Grünen-Politiker als Zeuge zugelassen wird, fällt der Richter. Anfang 2023 soll die Verhandlung wegen Verleumdung fortgesetzt werden.