Freund geküsst: Arzt aus Taxi geschmissen

Mediziner erinnert sich: "Er sei Moslem und wolle keine küssenden Männer mitnehmen"

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Schwere Vorwürfe eines bekannten Mediziners: Weil er in einem Taxi seinen Lebensgefährten geküsst hatte, soll der bekannte Wiener Arzt Christopher Wolf am Stefanitag vom Fahrer aus dem Wagen geworfen worden sein. Das betroffene Taxiunternehmen will den Fall nun aufklären.

„Der Fahrer verlangte, dass wir damit aufhören oder aussteigen“

Es war der Abend des 26. Dezembers, als der 56-jährige Oberarzt und Kardiologe und sein Partner Joseph sich über den Funkdienst 31300 ein Taxi bestellten. Sie wollten nach einer Feier bei Freund:innen schnell sicher nach Hause kommen. Kaum eingestiegen, kommt es zum Eklat.

Der Grund: „Mein Mann und ich sind verliebt und haben uns am Rücksitz geküsst“, wie Wolf der Tageszeitung Heute  erklärt. „Doch der Fahrer verlangte, dass wir damit aufhören oder aussteigen. Er sei Moslem und wolle keine küssenden Männer mitnehmen“, erinnert sich der Mediziner. Wolf und sein Partner wurden dann vom Taxler tatsächlich auf halbem Weg vom 12. in den 1. Bezirk aus dem Wagen geschmissen.

Bei der Funkzentrale gibt man dem mutmaßlich homophoben Fahrer recht

Doch das war noch nicht das Ende des unangenehmen Erlebnisses: Wolf, der unter anderem durch seine Beziehung zu Musical-Star Uwe Kröger bekannt wurde, beschwert sich bei der Funkzentrale über den Fahrer. Da zeigt die Mitarbeiterin Verständnis für den Fahrer und sagt dem Kunden, dass sie Schwule ebenfalls hasst.

Der Kardiologe, Oberarzt der Privatklinik Döbling, ist enttäuscht und wütend. „Ich dachte immer, Wien ist eine weltoffene und liberale Stadt, aber da habe ich mich wohl getäuscht. So etwas ist mir hier noch nie passiert. Ich bin schockiert, dass so etwas überhaupt möglich ist“, ärgert er sich im Gespräch mit der Kronen Zeitung .

Die Funkzentrale nimmt den Vorfall ernst und hat Untersuchungen eingeleitet

Auf Anfrage der Zeitung gibt sich das Taxiunternehmen zerknirscht – man nehme bei 31300 den Vorfall „sehr ernst“ und werde den Fall „detailliert aufklären“, heißt es. „Weder Homophobie noch Islamophobie“ würden in der Firma Platz haben.

Man werde „jede Kooperation mit Unternehmern einstellen, welche dieser Voraussetzung nicht entsprechen“. Mitarbeitern, die diesem Grundsatz entgegenhandeln, müssten „ausnahmslos“ dienstrechtliche Konsequenzen tragen. Man stehe als traditionelles Wiener Taxiunternehmen „seit Jahrzehnten für Offenheit, Diversität und Toleranz“.

Gegenüber dem Kurier  betont das Unternehmen außerdem, dass es queere Veranstaltungen wie den Regenbogenball und die Vienna Pride unterstütze.

Rechtlich ist das Verhalten des Taxifahrers in Ordnung – dank der ÖVP

Rechtlich hat sich der mutmaßlich homophobe Taxifahrer übrigens nichts zu Schulden kommen lassen. Denn Diskriminierungen aufgrund der sexuellen Orientierung sind bei Dienstleistungen und der Versorgung mit Gütern in Österreich nicht verboten. Eine entsprechende Aufwertung des Antidiskriminierungsrechts wird seit Jahrzehnten von der ÖVP blockiert.

„Österreich ist bis heute eines der letzten EU-Länder, in dem Schwule, Lesben und Bisexuelle nicht vor Diskriminierung im Privatleben geschützt werden. Wir fordern seit Jahren, dass genau solche Diskriminierungen in Taxis, aber auch in Lokalen oder bei der Wohnungssuche endlich verboten werden müssen“, ärgert sich Mario Lindner, Gleichbehandlungssprecher der SPÖ und Bundesvorsitzender der sozialdemokratischen LGBTI-Initiative SoHo.