Mittwoch, 17. April 2024
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Benedikt XVI. gestorben: So wetterte er gegen LGBTI-Rechte

Am 31. Dezember ist der emeritierte Papst Benedikt XVI. im Alter von 95 Jahren im Vatikan gestorben. Vielen queeren Menschen wird Joseph Ratzinger, wie Benedikt XVI. mit bürgerlichem Namen hieß, nicht in guter Erinnerung bleiben.

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„Schmerzerfüllt muss ich mitteilen, dass Benedikt XVI., Papst Emeritus, heute um 09:34 Uhr im Kloster Mater Ecclesiae im Vatikan verstorben ist“, teilte das Vatikanische Presseamt auf Twitter mit. 

Vom Reformer zum „Betonkardinal“

Mit dem gebürtigen Bayern geht ein umstrittener Papst. Galt er zu Beginn seiner geistlichen Karriere noch als Reformer, hat sich das Ende der 1960er Jahre gewandelt: Wegen seiner unnachgiebig konservativen Haltungen wurde Ratzinger in seiner Zeit als Chef der Glaubenskongregation auch als „Betonkardinal“ bezeichnet.

In dieser Funktion goss er die erzkonservativen Positionen von Papst Johannes Paul II. in entsprechende Worte. Bereits 1992 schrieb er, die homosexuelle Orientierung sei „eine objektive Unordnung“, die „in moralischer Hinsicht Anlass zur Sorge“ gebe.

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Benedikt XVI. ließ keinen Zweifel: Homosexualität sei gegen Gottes Willen

Während seiner Amtszeit als Papst Benedikt XVI. von 2005 bis 2013 hat Ratzinger immer wieder davor gewarnt, sexuellen Minderheiten mehr Rechte zu gewähren. Im Jahr 2010 bezeichnete Benedikt Homosexualität als „etwas, das gegen das Wesen dessen steht, was Gott ursprünglich gewollt hat“: Wenn jemand starke homosexuelle Neigungen habe, dann sei das für denjenigen eine große Prüfung, so der Papst weiter. „Aber das bedeutet nicht, dass Homosexualität dadurch moralisch richtig wird“.

Im Jahr 2012 sagte Benedikt XVI, die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften sei eine „Manipulation der Natur“, die zum Verlust der „Würde des Menschen“ führe. Der ehemalige Vatikan-Insider Krzysztof Charamsa hat 2016 in einem Interview gemeint, Benedikt habe „die Homophobie in der katholischen Kirche verankert und mit einer entstellten und falschen Lehre versehen“.

Bei Missbrauchsfällen in eigenen Reihen war Ratzinger deutlich toleranter

Deutlich toleranter war der Heilige Vater hingegen bei gleichgeschlechtlichem Missbrauch innerhalb der Kirche. So soll er jahrelang einen Prälaten, der im Staatssekretariat des Vatikans Priester sexuell belästigt haben soll, gedeckt haben. 

Und auch nach dem Rücktritt von Benedikt XVI. vom Pontifikat war mit derartigen Einordnungen nicht Schluss. „Vor hundert Jahren hätte es noch jedermann für absurd gehalten, von homosexueller Ehe zu sprechen“, wird er in einer Biografie zitiert – und fügte hinzu: „Ähnliches gilt bei Abtreibung und für die Herstellung von Menschen im Labor.“.

Bei Kirchenkritik schaltete der emeritierte Papst schnell in den Opfermodus

Die „eigentliche Bedrohung der Kirche“ liege in einer „weltweiten Diktatur von scheinbar humanistischen Ideologien“, so Benedikt weiter. Er beklagte auch, dass Gegner:innen der Gleichstellung sexueller Minderheiten angeblich „gesellschaftlich exkommuniziert“ seien.

Erst letztes Jahr bezeichnete er die Ehe-Öffnung in einem Buch als „Deformierung des Gewissens“, die „im Widerspruch zu allen bisher aufeinander folgenden Kulturen der Menschheit“ stehe.

Ab heute, Montag, soll Benedikt XVI. drei Tage im Petersdom aufgebahrt. Dort werden ihm tausende Katholik:innen die letzte Ehre erweisen. Nach dem Trauergottesdienst soll er auch im Petersdom beigesetzt werden.

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