Donnerstag, 29. Februar 2024
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Kontinentalsynode in Prag: LGBTI-Themen sorgen für Konflikte

In Prag findet derzeit eine römisch-katholische Großveranstaltung statt: Die europäische Kontinentalversammlung zum Synodalen Prozess. Ein Thema, dass innerhalb der Kirche entzweit, ist der Umgang mit sexuellen Minderheiten.

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Von Montag bis heute diskutieren 200 Personen vor Ort in Prag und 390 Online-Delegierte in mehreren Arbeitsgruppen über die Positionen der römisch-katholischen Kirche. Diese „Europa-Etappe“ ist Teil eines bis 2024 dauernden weltweiten Beratungsprozesses, den Papst Franziskus angeordnet hat, um die Kirche zu erneuern. Eine der innerkirchlichen Konfliktlinien ist dabei das Thema LGBTI, wie religion.ORF.at berichtet. 

„Positionen im Bereich des Umgangs mit LGBTIQ-Menschen unvereinbar“

Es sei offensichtlich, „dass die Positionen etwa im Bereich des Umgangs mit LGBTIQ-Menschen unvereinbar miteinander sind“, so die beiden Österreich-Delegierten Regina Polak und Markus Welte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Kathpress . Daraus ergebe sich ein hoher Gesprächsbedarf in den Delegationen, der phasenweise auch in Sprachlosigkeit münde.

Dabei gab es auch einen Zwischenfall: Der tschechische Aktivist Ladislav Koubek erhielt Hausverbot und wurde von Polizisten nach draußen eskortiert – alarmiert wurden die Beamten von tschechischen Kirchenfunktionären. Wie das Portal kath.ch berichtet, hatte er ein Flugblatt verteilt, in dem er über seine Erfahrungen als Schwuler in der katholischen Kirche berichtete und um Reformen bat.

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Ein Missbrauchsopfer bekam Hausverbot

In dem Flugblatt berichtet Koubek, wie ihn die Kirche als jungen Schwulen unter Druck gesetzt hätte. Ein Priester hätte ihm gesagt, seine Sünden als Homosexueller seien “schlimmer als vor der Sintflut, und Ihre Strafe wird schlimmer sein als die Sintflut”. Außerdem sei er in der Kirche sexuell missbraucht worden.

Ladislav Koubek criticises abuse cover-up and homophobia in the Czech church. Then the police arrives… #SynodalProcess #prague2023 Here his letter: https://t.co/vh5tb9XfE7 @JamesMartinSJ @WolfgangFRothe @MmeSurvivante @ReisingerWagner @YouDidinVienna pic.twitter.com/wjkSvzniiH

— Raphael Rauch (@raphael_rauch) February 6, 2023

An die Teilnehmenden hat er drei Forderungen: Die Kirche solle anerkennen, dass die sexuelle Orientierung angeboren sei. Sie solle Priester über queere Themen, Zölibat und Missbrauch besser informieren. Außerdem sollten Bischöfe, die sexuell straffällig gewordene Priester nicht von ihrer Tätigkeit entbinden, zum Rücktritt aufgefordert werden.

Spannungen innerhalb der Kirche sollen offen benannt werden

Die Hauptaufgabe in Prag liege wohl darin, „diese Spannungen offen zu benennen und gemeinsam auszuhalten“, fasst der österreichische Delegierte Markus Welte die Veranstaltung zusammen. Grundsätzlich habe er den Eindruck, „dass einander alle Delegationen dabei mit einem hohen Maß an Wertschätzung begegnen, auch wenn die vertretenen Positionen sehr konträr sind“.

Österreich ist in Prag neben Polak und Welte auch noch mit dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner, und der Innsbrucker Hochschul-Rektorin und Theologin Petra Steinmair-Pösel vertreten. Ausgangspunkt für die mehrtägigen Beratungen ist das Vorbereitungsdokument „Mach den Raum deines Zeltes weit“, das Ende Oktober 2022 vom Vatikan veröffentlicht wurde.

Nach der jetzt stattfindenden ersten Phase der Kontinentalversammlung zum Synodalen Prozess tagen von 10. bis 12. Februar die 39 Vorsitzenden der nationalen europäischen Bischofskonferenzen. Sie werden sich mit dem Abschlussdokument befassen und planen dazu eine Stellungnahme.

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