Freitag, 22. September 2023
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Das könnte die Heilung des „Düsseldorfer Patienten“ für die HIV-Therapie bedeuten

In Düsseldorf konnte ein krebskranker HIV-Patient durch eine Stammzellentranspantation von beiden Krankheiten geheilt werden. Das könnte in Zukunft die Behandlung von HIV deutlich verbessern.

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Bei einem heute 53-Jährigen wurde im Jahr 2011, drei Jahre nach seiner HIV-Diagnose, eine Form von Blutkrebs festgestellt. Die Leukämie wurde unter anderem mit einer Stammzellentransplantation behandelt. Ziel der Transplantation war für das Team der Universitätsklinik Düsseldorf, sowohl die Leukämie als auch das HI-Virus in den Griff zu bekommen.

Die Therapie durch Stammzellentransplantation hat schon zwei Mal funktioniert

Diese Methode der Stammzellentransplantation wurde zuvor bereits beim „Berliner Patienten“ und beim „Londoner Patienten“ angewandt. Auch sie waren an HIV und Leukämie erkrankt. Ihre Stammzellenspender hatten eine natürliche Genmutation namens CCR5Δ32. Sie macht den Träger fast resistent gegen den HI-Virus. Auch diese beiden Patienten gelten als geheilt.

Auch, wenn diese Behandlungsmethode nicht für alle HIV-Positiven geeignet ist, weil eine Stammzellenbehandlung sehr riskant ist und es zu wenig geeignete Spender mit dieser Genmutation gibt – die Erkenntnisse des „Düsseldorfer Patienten“ können die zukünftige Behandlung von HIV ändern.

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Therapien können mit Gentechnik einfacher werden

Das könnte etwa durch die Transplantation von Stammzellen passieren, die durch den Einsatz von Genscheren bearbeitet wurden. So könnten etwa Blutzellen vor HIV geschützt werden oder das Virus aus bereits infizierten Zellen herausgeschnitten werden, hofft Boris Fehse vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

„Es ist sehr gut vorstellbar, dass in naher Zukunft HIV-Patienten, die aufgrund einer Blutkrebserkrankung eine Stammzelltransplantation benötigen, immer das Angebot erhalten werden, dass das Transplantat vor der Infusion mit einer Genschere behandelt wird, so Fehse. Dabei könnte es sich um Spender-, aber auch um eigene Blutstammzellen des Patienten handeln.

Zur Zeit ist die Stammzellentherapie noch eine riskante Methode

Dabei müssen Nutzen und Risiken abgewogen werden – haben HIV-positive Menschen mit einer gut eingestellten Therapie doch inzwischen ohnehin eine ähnlich hohe Lebenserwartung wie die Normalbevölkerung. Deshalb sei eine Stammzellentherapie für sonst gesunde HIV-Infizierte derzeit nicht vertretbar, betont der Molekularbiologe Toni Cathomen von der Universitätsklinik Freiburg.

Doch das könnte sich in der Zukunft ändern: „Im Gegensatz zur konventionellen HIV-Therapie, die lebenslang eingenommen werden muss, verspricht der genetische Ansatz nach einmaligem Einsatz der Genscheren eine Heilung, das heißt eine komplette Remission, und damit das Absetzen der antiretroviralen Therapie“, erklärt Cathomen.