Freitag, 19. Juli 2024
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FPÖ Wien wettert gegen Kinderbuch-Lesung durch Drag Queens

Nach einem Besuch bei Trump-Jüngern in den USA kopiert der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp ihre Parolen. Er fordert ein Auftrittsverbot von Drag Queens vor Kindern - und bekommt dafür deutlichen Gegenwind aus der Community.

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Wenn es darum geht, die Rechte sexueller Minderheiten zu beschränken, haben erzkonservative Gruppen in den USA nun Drag Queens als Zielscheibe entdeckt. Im US-Bundesstaat Tennessee wurde kürzlich ein Gesetz verabschiedet, das Auftritte von Drag Queens vor Minderjährigen verbietet.

Wenn aus einer harmlosen Erzählstunde „Transgender-Irrsinn“ wird

Einer, dem solche Gesetze gefallen dürften, ist Dominik Nepp, Obmann der FPÖ Wien. Nach seiner Rückkehr von der CPAC, einer Versammlung erzkonservativer Trump-Fans, wettert er nun gegen eine „Drag Queen Story Hour“, die in Wien stattfinden soll. Dabei erzählen Drag Queens Kindern altersgerechte Geschichten über Toleranz und Vielfalt – oder, wie es Nepp nennt „Transgender-Irrsinn“.

„Niemand soll zu einer sexuellen Orientierung gutmenschlich gedrängt werden – schon gar nicht kleine Kinder“, wütet der Wiener FPÖ-Chef in einer Presseaussendung: „Wenn bereits Kleinkinder mit dem Blödsinn indoktriniert werden, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt und sie jederzeit ihr Geschlecht ändern können, dann muss dieser Wahnsinn von den Schwächsten unserer Gesellschaft – den Kindern – ferngehalten werden.“

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SPÖ-Lindner nennt FPÖ-Kritik „tragisch-peinlich“

Eine Aussage, der Mario Lindner, Gleichbehandlungssprecher der SPÖ, deutlich widerspricht. „Gerade für eine Burschenschafter-Partei ist die Panik vor Männern in Kostümen, die aus Kinderbüchern vorlesen, schon tragisch-peinlich“, richtet er dem Wiener FPÖ-Chef aus: „Statt über echte Probleme zu reden, vor denen vor allem Familien Tag für Tag stehen, macht die FPÖ lieber Panik über Kinderbuchlesungen von Drag-Queens.“

Dass die FPÖ einerseits die Kunstform Drag und andererseits die Thematik Transidentität vermischt, zeigt für Lindner eine „mehr als problematische Geisteshaltung“ – zumal sich auf diversen Telegram-Gruppen und Webseiten rechtsextreme Gruppen wie die Identitäten mit ähnlichen Formulierungen gegen die Veranstaltung mobil machen.

Auch Rechtsextreme machen gegen die Veranstaltung mobil

Bereits der letzten Vienna Pride wurde eine Kinderbuch-Lesung der Drag Queen Candy Licious von rechtsextremen Gruppen ausgeschlachtet. Unbekannte „mauerten“ den Eingang zur Bücherei, in der die Lesung stattfinden sollte, zu. Aufhalten ließ sich die Veranstaltung aber nicht. Sie fand unter Polizeischutz statt, vor der Bücherei wurden einschlägig bekannte Persönlichkeiten der rechten Szene gesehen.

„Die Panik der FPÖ und einiger rechter Nischen-Medien vor einer Kinderbuchlesung ist und bleibt lächerlich“, so der SPÖ-Gleichbehandlungssprecher, der auch die Verbindung „mit dem Titel ‚Kinderschutz‘ und vorgestrigen Stereotypen über Frühsexualisierung“ kritisiert.