Donnerstag, 18. Juli 2024
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Schwulenfeindliche Jugendumfrage? Kritik an FPÖ-Bürgermeister

Für Irritationen sorgt eine Jugendumfrage, die von der Stadt Ansfelden in Auftrag gegeben wurde. Ob sie es ekelhaft finden würden, wenn sich zwei Männer küssen würden, lautet eine der Fragen. Nun ist die FPÖ, die in der Stadt sowohl Bürgermeister als auch Jugendstadtrat stellt, in der Kritik.

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In Ansfelden möchte die Stadtgemeinde, in der die FPÖ mit Christian Partoll den Bürgermeister stellt, wissen, wie ihre 14- bis 21-Jährigen Einwohner ticken. Deshalb gibt es seit 18. April eine Jugendumfrage der Stadt, die von der Johannes-Kepler-Universität (JKU) wissenschaftlich betreut wird.

„Ein gutes Paar besteht aus einem Mann und einer Frau“

Doch einige Fragen wirken befremdlich. So werden die Jugendlichen um ihre Meinung zu Aussagen wie „Ich finde es ekelhaft, wenn zwei Männer sich küssen“ oder „Ein gutes Paar besteht aus einem Mann und einer Frau“ gefragt. 

Für SPÖ-Gemeinderätin Renate Heitz, auch LGBTIQ-Sprecherin ihrer Partei im oberösterreichischen Landtag ein Unding. „Die FPÖ zeigt einmal mehr, welch intolerantes und antiquiertes Weltbild sie vertritt. Das sie dieses Weltbild nun auch im Deckmantel einer Jugendumfrage für 14-21-jährige verpacken, ist aber selbst für die Freiheitlichen ein neuer Tiefpunkt.“

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In der HOSI Linz ist man „entsetzt und erstaunt“

Empörung kommt auch von der HOSI Linz. „Ich bin entsetzt und erstaunt, welche Fragen die Stadt Ansfelden ihren Jugendlichen stellt“, so Vereinssprecher Richard Steinmetz.

„Wir von der HOSI Linz engagieren uns seit Jahrzehnten, um Jugendlichen an den Schulen, dass es in Ordnung ist, LGBTIQ* zu sein und dass es auch für Heteros keinen Grund gibt, sich vor LGBTIQ*-Personen zu fürchten“, so Steinmetz. Für ihn ist die Umfrage mit dem „Bündel an Suggestivfragen“ein neuer Tiefpunkt der FPÖ.

FPÖ-Bürgermeister sieht „Angriff auf die Wissenschaft“

Der Ansfeldner Bürgermeister Christian Partoll von der FPÖ ortet in der Kritik einen „Angriff auf die Wissenschaft“. Der Fragebogen sei in Zusammenarbeit mit dem Institut für Soziologie der Johannes-Kepler-Universität Linz (JKU) erstellt worden, betont der in die Kritik geratene Bürgermeister. 

Deshalb nimmt die HOSI Linz auch die JKU nicht aus der Verantwortung: Durch die Uni lasse die FPÖ ihr „mehr als vorgestriges Weltbild in Sachen Sexualität und Geschlechterrollen abnicken“, so Steinmetz. Die HOSI Linz erwartet sich hier klare Antworten von Rektor Meinhard Lukas.

Uni Linz räumt „methodische Fehler“ ein

Bei der JKU räumt man mittlerweile Fehler an der Studie ein. Johann Bacher, Leiter der Abteilung für Empirische Sozialfotschung, hat sich mittlerweile bei Jugendlichen, die sich in ihrer persönlichen Orientierung verletzt fühlten, entschuldigt. Es seien „methodische Fehler“ passiert.

„Das kann vorkommen und ist in diesem Fall auch passiert. Es ist besonders bedauerlich, weil es ja auch eine starke ethische Dimension hat und sich Jugendliche durch die Art der Fragen verletzt gefühlt haben“, zitiert der ORF Oberösterreich den Universitätsprofessor.

Es fehlt eine positiv formulierte Frage zum Thema

Wichtig wäre bei der Messung eines so sensiblen Themas wie Homophobie, dass auch eine positiv formulierte Frage verwendet werde, zum Beispiel, ob man es richtig finde, dass zwei Männer oder zwei Frauen heiraten dürfen, so Bacher weiter. Diese zweite Frage sei vergessen worden.

Dieser Fehler sei bedauerlich und er tue ihm leid, sei aber nicht mehr rückgängig zu machen, so Bacher. Nachdem inzwischen mehrere Medien über die Kritik an der Jugendumfrage berichtet haben, sind diese Fragen jetzt zumindest online nicht mehr verfügbar.