Samstag, 15. Juni 2024
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„Frau mit Penis“ in Wiener Damensauna war trans-feindlicher Troll aus Deutschland

Für Aufregung und Verwirrung sorgte vor kurzem ein Vorfall in einer Wiener Damensauna: Eine „Frau mit Bart und Penis“ schwitzte mit den anderen Frauen. Nun stellt sich heraus: Dabei hat es sich nicht um eine trans Frau gehandelt, sondern um einen Provokateur, der den Schutz von trans Rechten lächerlich machen möchte.

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Der Vorfall soll sich am 11. Mai ereignet haben: Vorm Tröpferlbad in der Hermanngasse in Wien-Neubau erschien eine bärtige Person und verlangte Eintritt in die Damensauna. Dazu zeigte die Person einen Ausweis, der sie als trans Frau auswies. Sie bekam Zutritt, und nach anfänglichen Irritationen hatten auch die anderen Besucherinnen kein Problem mit dem ungewohnten Gast.

Gegner:innen der Gleichstellung empörten sich öffentlich – das war das Ziel der Provokation

Ganz im Gegensatz zum Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp oder Anti-Trans-Aktivist:innen. „Eine Person mit Penis ist ein Mann und das bleibt auch so“, empörte sich Nepp, nachdem der Vorfall öffentlich wurde. Auch die Wiener Feministin Donna Krasniqi wütete auf Twitter über den Vorfall, schrieb darüber etwa „Nachdem die hysterischen Frauen ‚aufgeklärt‘ wurden, haben sie wie selbstverständlich dem heiligen Phallus gehuldigt“.

Nun stellt sich heraus: Diese Aufregung war offenbar Zweck der Übung – der Besuch der „Frau mit Bart und Hoden“ soll eine gezielte Aktion des Satire-Trolls Bijan Tavassoli gewesen sein. Als Frau ausgewiesen hat er sich mit einem Ergänzungsausweis der deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (DGTI), der kein amtlicher Ausweis ist, aber trans Menschen vor der amtlichen Geschlechtsangleichung die Identifikation erleichtern soll.

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Mit seiner Aktion in der Damensauna wollte er offenbar gezielt Rechte für trans Menschen publikumswirksam torpedieren. Im Portal des Ex-Bild-Chefredakteurs Julian Reichelt, das für seine oft fragwürdigen rechten Positionen mittlerweile bekannt ist, bekannte sich Tavassoli zu der Aktion.

Bijan Tavassoli ist in dieser Sache offenbar Wiederholungstäter

Es ist nicht das erste Mal, dass Tavassoli Toleranz gegenüber trans Menschen nutzt, um seine eigene, trans-feindliche Agenda durchzubringen. So teilte Tavassoli im September auf dem Parteitag der Hamburger Linkspartei mit, er habe das Geschlecht gewechselt und wolle nun für einem für Frauen vorgesehenen Posten kandidieren. 

Mittlerweile soll Tavassoli in die rechtspopulistische AfD eingetreten sein. Fotos auf Twitter zufolge soll er auch ein persönliches Naheverhältnis zu Marie-Luise Vollbrecht haben, die wegen eines geplanten Vortrags auf der Humbold-Universität über angebliche Zweigeschlechtlichkeit in die Schlagzeilen kam und dafür von Expert:innen und Aktivisti:nnen kritisiert wurde.