Samstag, 25. Mai 2024
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Eigenen Sohn im Schlaf missbraucht? Bewährungsstrafe für Ex-Staatsanwalt

Weil er seinen damals acht Jahre alten Sohn sexuell missbraucht haben soll, musste sich ein ehemaliger Staatsanwalt vor dem Landgericht Lübeck verantworten. Dort wurde er nun - nicht rechtskräftig - zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

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Der Fall erregte auch über die Grenzen Deutschlands die Gemüter: Ein 52 Jahre alter Staatsanwalt soll Ende März 2019 seinen Sohn im Schlafzimmer der Familie sexuell missbraucht und vergewaltigt haben. Als seine Ehefrau ihn am nächsten Morgen mit den Vorwürfen konfrontierte, habe er keine Erinnerung mehr daran gehabt.

Vor Gericht blieb der 52-Jährige schweigsam

Vor Gericht wollte sich der 52 Jahre alte Jurist nicht äußern – im Gegensatz zu den Ermittlungen. Damals hatte er angegeben, sich an die mutmaßliche Tat nicht zu erinnern. Später behauptete er, in der Nacht geschlafwandelt zu haben.

Das glaube ihm das Landgericht Lübeck letztendlich nicht: Es habe keine Anhaltspunkte gegeben, dass der Mann im Traum unbewusst Dinge tun würde – weder im Schlaflabor noch in der Ehe des ehemaligen Staatsanwaltes, so die Vorsitzende Richterin Helga von Lukowicz. Und: „Anhaltspunkte für Pädophilie haben wir nicht.“

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Die Richterin glaube nicht, dass die Tat im Schlaf begangen wurde

„Wir gehen davon aus, dass die Tat als dysfunktionale Bewältigungsstrategie zu verstehen ist“, zitiert der NDR die Richterin. Der Mann habe beruflich unter Druck gestanden, die Ehe sei am Ende gewesen: „Der gewaltsame Missbrauch des Sohnes gab ihm für einen Moment das Machtgefühl zurück.“

Dass der Fall vor Gericht gelandet ist, ist der Mutter des Buben zu verdanken. Obwohl die Behörden von einer sexuellen Misshandlung ausgegangen waren, sahen es die Staatsanwaltschaft in Kiel und die Generalstaatsanwaltschaft Schleswig-Holstein eine Verurteilung als unwahrscheinlich an.

Die Mutter des Kindes erzwang ein Gerichtsverfahren

Das Oberlandesgericht in Schleswig gab schließlich dem Klageerzwingungsverfahren der Mutter statt. Die Staatsanwaltschaft in Kiel musste den Fall daraufhin neu aufrollen.

Nun wurde der ehemalige Staatsanwalt wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit schwerem sexuellen Missbrauch in einem minderschweren Fall zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Davon gelten vier Monate bereits als verbüßt.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung forderten einen Freispruch

Das Gericht folgt damit der Nebenklage der Mutter, die ihren minderjährigen Sohn vertreten hat. Sie hatte in der vergangenen Woche eine Verurteilung wegen schweren sexuellen Missbrauchs gefordert, ohne ein konkretes Strafmaß zu verlangen. Nach der Tat hat sie sich von dem Juristen scheiden lassen.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung des Angeklagten forderten hingegen einen Freispruch. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, weil noch Revision eingelegt werden kann.