Dienstag, 18. Juni 2024
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Trans Mann in Berlin an einem Tag gleich zwei Mal verprügelt

Gleich zwei Mal sind zwei queere Männer in Berlin-Kreuzberg beleidigt und angegriffen worden: Zunächst in einem Späti, und dann, als einer der Männer seinen Rucksack zurückbekommen wollte.

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Wie die Berliner Polizei berichtet, sind der 32-jährige cis Mann und sein Date, ein ein Jahr älterer trans Mann, am Dienstag kurz nach acht Uhr gemeinsam aus der Toilette eines Spätkaufs in der Oranienstraße gekommen.

Der Mitarbeiter eines Spätis glaubte, die beiden Männer hätten auf der Toilette Sex gehabt

Daraufhin wurden sie von einem 31 Jahre alten Mitarbeiter des Geschäfts queerfeindlich beleidigt, weil er dachte, die Männer hätten auf der Toilette gemeinsam Sex gehabt, wie einer der Betroffenen dem Portal queer.de  erklärte.

Das verneinten die Betroffenen. Daraus entwickelte sich etwas, das in der Polizeimeldung wohl nur unzureichend als „Diskussion“ beschrieben wurde – und schließlich etwas heftiger ausfiel: so soll der Späti-Mitarbeiter mit einer Glasflasche gegen die Köpfe der Männer geschlagen haben, der 32-Jährige schlug dann ebenfalls mit einer Flasche zurück – offenbar, um sich zu wehren.

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Bei der Auseinandersetzung wurden alle Beteiligten am Kopf verletzt, der 32-Jährige erlitt zusätzlich eine Verletzung am Arm. Rettungskräfte brachten die drei Männer schließlich zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus.

Beim Versuch, seinen Rucksack zurückzubekommen, wurde der trans Mann noch einmal angegriffen

Doch damit war der Alptraum nicht zu Ende: Der 33 Jahre alte trans Mann hatte bei dem Vorfall offenbar seinen Rucksack in dem Späti vergessen. Ein Unbekannter bot ihm telefonisch an, ihm diesen wieder zurückzugeben.

In Begleitung eines weiteren 36-Jährigen trafen sich die beiden Männer gegen 13.20 Uhr mit dem Unbekannten auf dem Bahnsteig der U8 in der Station Hermannplatz in Neukölln, um den Rucksack zurückzubekommen.

Dabei kam es erneut zum Streit, weil der Unbekannte für die Rückgabe des Rucksacks Geld verlangte. Dieser Streit verlagerte sich schließlich auf den Hermannplatz – bis der Tatverdächtige mit seinen Fäusten auf den 33-Jährigen eingeschlagen haben soll.

Der Unbekannte schlug den Mann und einen Standbetreiber mit einem mitgebrachten Stein

Als der Betreiber eines Standes dazwischen gehen wollte, wurde auch er angegriffen – mit einem Stein, den der Unbekannte aus seiner Jackentasche geholt haben soll: Damit soll er beiden Männern auf den Kopf geschlagen haben. Rettungskräfte brachten die beiden Männer zur ambulanten Behandlung ins Krankenhaus.

Der Angreifer konnte unerrkannt flüchten. Die Polizei konnte den Stein anschließend sicherstellen. Wie bei allen Fällen von mutmaßlicher Hasskrimialität hat der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamtes Berlin die Ermittlungen übernommen. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Für Hassverbrechen gegen sexuelle Minderheiten gibt es in Berlin eigene Ansprechpartner:innen

Angehörige sexueller Minderheiten, die Opfer von Hasskriminalität geworden sind, können in der deutschen Hauptstadt unter anderem auf der Internetwache der Polizei Berlin  online eine Anzeige aufgeben.

Bei der Berliner Polizei gibt es zudem zwei Ansprechpersonen für LGBTI . Damit soll Angehörigen sexueller Minderheiten, die oft aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen ein eher kritisches Verhältnis zur Polizei haben, das Erstatten einer Anzeige nach einem Übergriff erleichtert werden.