Mittwoch, 24. Juli 2024
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Mann will Schwulen-Club in Pakistan aufmachen – und landet in der Psychiatrie

Bitter endete der Versuch eines Pakistaners, in seiner Heimatstadt einen queeren Club zu gründen - er wurde nach heftigen Protesten rechtsnationaler Politiker von den Behörden in die Psychiatrie eingewiesen.

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In der Landkarte der LGBTI-Rechte ist Pakistan ein großer roter Fleck – was das in der Praxis bedeutet, musste ein 75 Jahre alter Mann nun am eigenen Leib feststellen: Wie der Daily Telegraph  berichtet, wollte Preetum Giani in der pakistanischen Großstadt Abbottabad in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa, in der eine Eliteeinheit Osama Bin Laden aufgespürt und getötet hatte, einen queeren Club eröffnen. 

Für konservative Politiker war bereits die Idee, einen Club für Schwule aufzumachen, ein Affront

Doch der Antrag für den „Lorenzo Gay Club“ wurde bereits im Mai abgelehnt. Wie lokale Medien berichten, empörten sich konservative Kräfte über den Plan. Sie sehen Homosexualität als Verstoß gegen den Islam. Ein Parlamentsabgeordneter sagte sogar, er würde den Club mit Benzin übergießen und anzünden. Für Giani war es „heuchlerisch“, den Antrag aufgrund der möglichen sexuellen Orientierung der Gäste zu verweigern.

Doch damit dürfte er die falschen Leute verärgert haben: „Wir mussten ihn festnehmen, weil ihn sonst jemand noch umgebracht hätte“, sagte ein Sprecher der örtlichen Polizei der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Allerdings wurde er anschließend in eine Psychiatrie im 200 Kilometer entfernten Peshawar eingewiesen – dem Polizeisprecher zufolge wegen „mentaler Instabilität“.

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Nun haben Bekannte Angst um ihren Freund

Bekannte von Giani, dessen Homosexualität in der Stadt wohl bekannt war, sind nun besorgt: Sie dürfen ihn nicht besuchen, haben keine weiteren Informationen über seinen Zustand. „Jeder hat Angst, dass wir ihn in Gefahr bringen, wenn wir darüber reden“, so eine anonyme Quelle im Daily Telegraph.

Dabei wäre der Club – verglichen mit ähnlichen Einrichtungen im Westen – ziemlich harmlos gewesen. Dem Antrag zufolge wären homo- und heterosexueller Sex verboten, küssen wäre erlaubt. Giani versprach, ein großes Schild mit der Aufschrift „Kein Sex auf dem Gelände“ anzubringen, um den lokalen Gesetzen zu genügen.

Pakistan gilt als extrem homosexuellenfeindlich: Seit 1860, der britischen Kolonialzeit, sind gleichgeschlechtliche Handlungen in Pakistan verboten. Es drohen Haftstrafen zwischen zwei Jahren und lebenslänglich. Oft gibt es auch Gewalt gegen sexuelle Minderheiten. Trans Menschen werden hingegen seit 2018 rechtlich geschützt. Im letzten Jahr führte die Provinz Sindh sogar eine Quote für trans Menschen in Lokalregierungen ein.