Mittwoch, 24. Juli 2024
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Trotz Krieg und rechten Gegenprotesten: Die Ukraine feiert wieder Pride

Zum ersten Mal seit dem russischen Angriffskrieg wurde in der ukrainischen Hauptstadt Kiew eine Pride gefeiert - ein deutliches Lebenszeichen einer Community, die oft an vorderster Front gegen den Aggressor kämpft und trotzdem nicht überall willkommen ist.

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Unter strengsten Sicherheitsbedingungen fand am Sonntag trotz heftigen Regens zu Mittag in der ukrainischen Hauptstadt Kiew wieder der „Marsch für Gleichberechtigung“, die lokale Pride-Parade, statt – zum ersten Mal seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022.

Ort und Zeit wurden erst in letzter Minute veröffentlicht

So wurden Ort und Zeit der Parade aus Sicherheitsgründen erst am Sonntag in der Früh bekanntgegeben. Wie das unabhängige ukrainische Nachrichtenportal Strana berichtet, war für die Pride eine etwa hundert Meter lange Route auf der Jewhen-Tschykalenko-Straße genehmigt worden.

Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, marschierten die etwa 500 Teilnehmer:innen, darunter auch westliche Diplomat:innen, allerdings nur einige dutzend Meter, bevor sie nach wenigen Minuten in die U-Bahn geleitet wurden. Denn einigen Anhängern ultrarechter Organisationen soll es Strana zufolge gelungen sein, die Polizeiabsperrung zu durchbrechen.

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Kampf gegen Diskriminierung und für Eingetragene Partnerschaften

Die Forderungen der Teilnehmer:innen waren die gleichen wie bei anderen Prides in Europa – etwa trafen für die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentität oder die Einführung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. So werden die Partner:innen queerer Soldat:innen etwa im Fall einer Verletzung oder des Todes wegen der fehlenden Gesetzgebung nicht informiert.

„Trotz der Angriffe müssen wir uns zeigen. Wir sind ein Land, eine Nation, wir geben nicht auf. Wenn uns unsere Rechte genommen werden, kämpfen wir für sie“, sagte etwa die 27 Jahre alte Dina Iwanowa – und verwies auf Russland, wo sich die Repressionen gegen die queere Community seit Beginn des Krieges noch einmal verschärft haben.

Auch schwule Soldaten kämpfen für ihre Rechte – bei der Pride und an der Front

Und dass für gleiche Rechte gekämpft wird, kann bei dieser Pride wörtlich genommen werden: Unter den Teilnehmer:innen waren auch mehrere Soldat:innen. Einer von ihnen war der 28 Jahre alte Petri, der von seiner Einheit frei bekommen hatte, um an der Pride teilnehmen zu können. 

Den ersten „Marsch für Gleichberechtigung“ gab es in Kiew im Jahr 2013. Im Jahr darauf wurde er von Bürgermeister Klitschko verboten. Zwischen 2015 und 2021 fanden die Demonstrationen regelmäßig statt. Dabei gab es immer wieder Gegenkundgebungen und Störungen radikaler Gruppen. Aufgrund des geltenden Kriegsrechts sind Genehmigungen für Demonstrationen derzeit schwerer zu erhalten.