Es war im Jahr 2017, als sich Monsignore Jeffrey Burrill die schwule Dating-App Grindr auf sein Smartphone geladen hatte. Er ging davon aus, dass außerhalb der App niemand Zugriff auf seine Daten hätte.
Ein konservativer Newsletter outete den hochrangigen Priester
Schließlich war Burrill der oberste Administrator der US-Bischofskonferenz und hatte als römisch-katholischer Priester ein Keuschheitsgelübde abgelegt. Außerdem lehnt der Katechismus der Kirche außerehelichen Sex ab – besonders gleichgeschlechtlichen.
Doch im Jahr 2021 outete der erzkonservative Newsletter Pillar Burrill als Grindr-Nutzer. Es folgte eine hitzige Diskussion, die damit endete, dass er von seiner hochrangigen Position bei den US-Katholiken zurücktreten musste.
Nun klagt der Monsignore Grindr auf fünf Millionen Dollar
Nun klagt Burrill die Betreiber von Grindr vor dem kalifornischen Supierior Court: Er fordert fünf Millionen US-Dollar, umgerechnet 4,6 Millionen Euro, und eine Verfügung, die verhindern soll, dass die App Nutzer-Daten ohne vorherige Ankündigung weitergibt.
Der Klage zufolge habe die Dating-App seine Daten nicht ausreichend geschützt und ihn nicht darüber informiert, das Dritte darauf zugreifen können. Hätte es diese Hinweise gegeben, hätte er sich die App auch nicht heruntergeladen, betont der Priester.
Die Verwendung der Daten durch Dritte hätte dazu geführt, dass er seinen Job verloren hatte und sein Ruf „erheblich beschädigt“ wurde, wie es in der Klage heißt.
Grindr weist die Vorwürfe zurück – doch sie sind nicht neu
Gegenüber der Washington Post weist eine Sprecherin von Grindr die Vorwürfe energisch zurück. Das Unternehmen beabsichtige, „energisch auf diese Anschuldigungen zu reagieren, die auf einer falschen Darstellung der Praktiken im Zusammenhang mit Nutzerdaten beruhen“.
Doch ganz ernst dürfte Grindr den Schutz seiner Nutzerdaten lange nicht genommen haben. So verurteilte die norwegische Datenschutzbehörde Grindr zu einer Geldstrafe von umgerechnet mehr als 5,6 Millionen Euro, weil sie Nutzerdaten – darunter teilweise auch den HIV-Status der User – über Werbenetzweke geteilt hatte.
Über Werbenetzwerke gelangte ultrakonservative Aktivisten an die Daten
Auf diese Weise gelangten auch die katholisch-konservativen Aktivist:innen, die den Monsignore outeten, an die Daten: In seiner Klage legt Burrill dar, dass Pillar seine Informationen von der ultrakonservativen Organisation „Catholic Laity and Clergy for Renewal“ (CLCR) erhalten habe.
Demnach habe Grindr Burrills Daten aus den Jahren 2017 bis 2021 an Unternehmen und Datenhändler verkauft. CLCR spricht von „öffentlich zugänglichen Daten“, die sie auf „gewöhnliche Weise“ gekauft hätten.
„Wir wollen Antworten, um andere Grindr-Nutzer zu warnen“
Woher die Daten genau kommen und wie sie dem Priester zugeordnet werden konnten, wird noch Gegenstand des Prozesses sein. „Wir wollen Antworten, damit wir andere Grindr-Nutzer warnen können“, sagt Gregory Helmer, ein anderer Anwalt, der Burrill vertritt.
Sein Mandant sei „öffentlich als schwul geoutet“ worden, sagte James Carr, der Anwalt des Geistlichen der Washington Post: „Es ist verwerflich, dass einem diese Entscheidung aus der Hand genommen und in die Öffentlichkeit getragen wird.“
Es ist. nicht das erste Mal, dass Grindr wegen seinem laxen Datenschutz vor Gericht landet
Burrills Klage ist nicht die erste, die sich. mit dem laxen Umgang mit Userdaten bei Grindr beschäftigt. ´In einer Klage, die im April in London eingereicht wurde, heißt es, dass die App den HIV-Status der Nutzer weitergegeben habe.
Und auch der ehemalige Datenschutzbeauftragte des Unternehmens, Ron De Jesus, sagte im vergangenen Jahr, dass er entlassen wurde, nachdem er Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes bei Grindr geäußert hatte.

