Seit Mitte des 18. Jahrhunderts gibt es in Neustift am Walde, einem Weinbaugebiet im 19. Wiener Gemeindebezirk, jedes Jahr einen Kirtag. Dieser wird heutzutage vom örtlichen Weinbauverein veranstaltet und gilt als Leistungsschau der Winzer sowie als Stelldichein der noblen – und konservativen – Döblinger High Society.
Gleichzeitig mit der Eröffnung des Kirtags gibt es ein queeres Get-together in Neustift am Walde
Dort dürfte die Ankündigung, dass der Neustifter Kirtag dieses Jahr etwas bunter wird, nicht überall gut angekommen worden sein. Denn das alteingesessene Weingut Fuhrgassl-Huber lädt am Donnerstagabend zeitgleich zur Eröffnung des Nobel-Kirtags, der an vier Tagen mehr als 100.000 Menschen anzieht, zu einem bunten Get-Together.
Mit dabei sind unter anderem mit Drag Queen Candy Licious und SPÖ-Gleichbehandlungssprecher Mario Lindner. Dabei wird der Queer Moments Frizzante Rosé kredenzt, ein Teil des Erlöses kommt gemeinnützigen Zwecken für ein besseres Miteinander zugute.
„Unsere Mitarbeitenden begegnen allen Menschen mit Wertschätzung“, sagt Winzer Thomas Huber
„Unsere Mitarbeitenden begegnen allen Menschen mit Toleranz und gelebter Wertschätzung. So stellen wir sicher, dass sich bei uns alle herzlich willkommen fühlen – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, sexueller Orientierung oder anderen persönlichen Merkmalen“, erklärt Winzer Thomas Huber, der das Weingut in dritter Generation führt.
Das würden auch die Gäste des Heurigen, der über die Grenzen der Bundeshauptstadt bekannt ist, fühlen: „Sie kommen zu uns, um sich zu entspannen und ein paar schöne Stunden bei einem guten Glas Wein zu genießen. Diese Wohlfühl-Atmosphäre erleichtert es auch, sich zu öffnen und auf andere Menschen zuzugehen“, so Huber weiter.
Nicht nur der Obmann des Weinbauvereins ist verschnupft
Doch das sieht nicht jeder in Neustift am Walde so. „Es kann natürlich jeder Betrieb machen, was er will, aber ideal ist das nicht“, gibt sich etwa Peter Wolff, Obmann des Weinbauvereins, in der Kronen Zeitung , deutlich verschnupft. Das queere Get-together sei „nicht die Richtung, in die wir gehen wollen“, so Wolff.
Gegenüber der Tageszeitung Österreich wird der Heurigenwirt und ehemalige FPÖ-Gemeinderat Michael Eischer noch deutlicher. Die Aktion sei „Geschäftemacherei“, die nicht zum Neustifter Kirtag passe. Huber, der einen der bekanntesten Betriebe der Gegend führe, wirft der deutlich unbekanntere Kollege vor, sich mit dem Event „berühmt machen“ zu wollen.
Was Eischer nicht dazusagt: Zeitgleich mit dem Get-Together beim Mitbewerber findet in seinem „Kronenheurigen“ das traditionelle FPÖ-Fest beim Neustifter Kirtag statt. Und das, obwohl Escher seine Ablehnung gegenüber dem Queer-Event damit begründet hatte, dass der Kirtag „entpolitisiert“ sei.
Candy Licious hofft weiter auf das Gute im Menschen
Beim Fuhrgassl-Huber versteht man die Aufregung nicht und weist darauf hin, dass es im Herbst noch eine weitere queere Veranstaltung geben wird. Und Candy Licious gibt zu Protokoll: „Ich bin eine Person, die das Miteinander fördert. Indem uns Herr Wolff dort nicht haben will, zeigt er ja selbst, wie er denkt.“
Doch sie hofft weiter auf das Gute im Menschen: Die Veranstaltung gebe „die einmalige Gelegenheit zum entspannten Austausch“: Es sei „wichtig, dass wir uns ohne Vorurteil und in einem wertschätzenden Setting begegnen können“. Huber biete dafür mit seinem beliebten Heurigen eine wunderbare Plattform.

