In der serbischen Hauptstadt Belgrad hat am Samstag unter großer Polizeipräsenz die bisher größte Pride stattgefunden. Mehrere tausend Menschen marschierten unter dem Motto „Pride is People“ hinter einem Banner in Regenbogenfarben durch das Stadtzentrum. Die Parade selbst verlief friedlich.
Aus einem Fenster des Parlaments wehte eine Regenbogenflagge
Vor dem serbischen Parlament und Regierungsgebäude machte der Marsch Halt, um die Gleichberechtigung sexueller Minderheiten in dem Balkan-Staat zu fordern. Für Begeisterung bei den Teilnehmer:innen sorgte, dass währenddessen Unbekannte eine Regenbogenfahne aus einem Fenster des Parlamentsgebäudes hielten.
Zu den Gesetzen, die von den Pride-Teilnehmer:innen gefordert wurden, zählen unter anderem die rechtliche Absicherung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und ein neues Gesetz für trans Menschen. „Das Gesetz über die Geschlechtsidentität ist keine Frage der Rechte von trans Personen, sondern der grundlegenden Menschenrechte“, betont die serbische Aktivistin und trans Frau Ana Jovanovic.
„Politiker mit politischem Willen könnten die Forderungen leicht erfüllen“
Und der serbische LGBTI-Aktivist Goran Miletic ergänzt: „Politiker mit politischem Willen könnten die Forderungen leicht erfüllen. Natürlich ist es auch wichtig, dass diese Gesetze dann auch angewendet werden.“
Ebenfalls an der Pride teilgenommen hat die serbische Ministerin für europäische Integration Tanja Miscevic. Sie erklärte gegenüber Medien, dass ein Gesetz zu gleichgeschlechtlichen Beziehungen derzeit „diskutiert“ werde, dies aber nicht in ihren Aufgabenbereich falle.
Die Lage der Community in Serbien ist nach wie vor prekär
Die Lage der queeren Community in Serbien ist nach wie vor prekär. Der Jahresbericht der NGO „Da Se Zna!“ kam zu dem Schluss, dass es 2023 „fast keine Verbesserung des Status queerer Menschen in Serbien“ gegeben habe. So habe es keine Fortschritte im rechtlichen gegeben, und auch eine zentrale Datenbank für Hassverbrechen gibt es in Serbien noch nicht.
Der Bericht dokumentiert auch 85 Fälle von LGBTI-feindlicher Gewalt und Diskrimierung, die es im letzten Jahr in Serbien gab. Darunter auch ein Angriff auf zwei junge queere Personen während einer Polizeirazzia. Die Anklage gegen die verantwortlichen Beamten wurde fallen gelassen.
Die Belgrade Pride hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich
In der Vergangenheit war die Belgrade Pride immer wieder zur Zielscheibe nationalistischer Proteste geworden. Die erste Pride im Juni 2001 wurde von Mitgliedern rechtsextremer Organisationen und Fußball-Hooligans angegriffen. Mehr als vierzig Menschen wurden damals verletzt.
Versuche, die Pride-Veranstaltung in den Jahren 2004 und 2009 wiederzubeleben, scheiterten, aber 2010 fand eine Parade unter dem Motto „We Can Do It Together“ mit mehr als 500 Teilnehmern statt. Auch diese endete in einer Straßenschlacht zwischen der Polizei und Hooligans, bei der 32 Polizeibeamt:innen und 25 Zivilist:innen verletzt und etwa 250 Personen festgenommen wurden.
Die Behörden waren jahrelang nicht in der Lage, für die Sicherheit der Teilnehmenden zu garantieren
In den beiden folgenden Jahren wurde die Belgrade Pride von den Behörden verboten – der Staat sah sich nicht in der Lage, die Sicherheit der Teilnehmenden zu garantieren. Im Jahr 2014 fand in der serbischen Hauptstadt unter massivem Polizeischutz die erste Pride ohne größere Zwischenfälle statt, geschützt durch eine massive Polizeipräsenz, genauso wie im letzten Jahr.
Im Jahr 2022 war Belgrad Gastgeberin der EuroPride. Allerdings ließen die Behörden nur einen verkürzten Marsch zu – offiziell aus Sicherheitsgründen. Die Organisator:innen berichteten im Anschluss, dass bis zu fünf Teilnehmende von gewalttätigen Gruppen angegriffen wurden, mehr als 80 Personen wurden festgenommen.

