„Der schöne Sommer“, im Original „La bella estate“, ist ein Film von Laura Luchetti. Es handelt sich dabei um eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Cesare Pavese und spielt im Turin des Jahres 1938. Im Mittelpunkt steht die junge Ginia, die aus der Unschuld ihrer ländlichen Herkunft in die pulsierende Kunstwelt der Stadt gezogen wird.
Der Weg in die große Stadt wird für Ginia auch eine Reise zu sich selbst
Dort lernt sie Amelia kennen, eine selbstbewusste und sinnliche Frau, die Ginia in eine Welt der Kunst und der sinnlichen Selbstfindung einführt. Diese Begegnung löst in Ginia eine Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Identität und ihren unterdrückten Sehnsüchten aus.
Auf subtile Weise thematisiert der Film das Erwachen der Sexualität und die Suche nach dem eigenen Ich. Im Mittelpunkt steht die zarte Beziehung zwischen Ginia und Amelia, die von unausgesprochenen Sehnsüchten und heimlichen Berührungen geprägt ist.
Die Atmosphäre der Zeit wird meisterhaft eingefangen
Luchetti gelingt es, die Atmosphäre der Zeit einzufangen, ohne dabei ins Melodramatische abzugleiten. Die Beziehung der beiden Protagonistinnen ist von einer leisen Sinnlichkeit durchzogen, die im Wechselspiel von Licht und Dunkel, Unschuld und Verführung visualisiert wird.
Visuell beeindruckt der Film durch die sorgfältige Rekonstruktion des Turins der späten 1930er Jahre, wobei es Luchetti gelingt, die Stadt als Spiegel der inneren Konflikte ihrer Figuren zu nutzen. Die künstlerische Bohème-Welt, in die Ginia eintaucht, steht in scharfem Kontrast zu ihrem bisherigen, strengen Leben.
Besonders hervorzuheben ist dabei das Spiel von Yile Vianello als Ginia, deren Entwicklung vom schüchternen Mädchen zur Frau einfühlsam dargestellt wird.
Ein bildgewaltiger Film, dem mehr Ecken und Kanten guttun würden
Doch trotz beeindruckender Ästhetik und starker schauspielerischer Leistungen bleibt der Film in seiner emotionalen Tiefe hinter dem Roman zurück. Während Pavese das ambivalente Ringen der Figuren um Identität und Begehren auslotet, wirkt Luchettis Interpretation bisweilen zu linear und glatt. Es fehlt die emotionale Wucht, die den Zuschauer ganz in die Innenwelt der Protagonistinnen hineinzieht.
„Der schöne Sommer“ ist so ein sinnlicher und bildgewaltiger Coming-of-Age-Film, dem es gelingt, die Essenz von Paveses Werk in eine moderne Sprache zu übersetzen. Auch wenn es der Inszenierung an emotionaler Intensität mangelt, ist der Film durch seine Atmosphäre und das subtile Spiel der Darstellerinnen sehenswert.


