Der mehrfach ausgezeichnete kanadische Autor Kevin Lambert verwebt in „Querelle de Roberval“ soziale Kämpfe, Queerness und Gewalt. Er schafft damit ein kraftvolles und provokantes Werk.
Während des Arbeitskampfes entlädt sich die Wut der Arbeiter
Schauplatz ist die fiktive Stadt Roberval im Norden Kanadas, wo die Arbeiter eines Sägewerks ein ganzes Jahr lang gegen ihre miserablen Arbeitsbedingungen kämpfen. Schließlich entlädt sich die Wut der Arbeiter in einer Gewaltorgie.
Zentrale Figuren sind der durch seine Schönheit und sexuelle Verführungskraft auffallende Querelle und seine queere Freundin Jézabel, die gemeinsam das Weltbild der rassistischen und queerfeindlichen Proletarier auf den Kopf stellen.
Lambert gibt dabei dem überirdisch schönen schwulen Sexgott Querelle, eine Hommage an Jean Genets Figur aus „Querelle de Brest“, in einem modernen, queeren Kontext eine neue Tiefe und Brutalität.
Lambert hinterfragt Themen wie Klassenkampf, Macht und sexuelle Freiheit
Der Roman erforscht sowohl die kollektiven als auch die individuellen Kämpfe der Arbeiter. Die Streikenden, die zunächst vereint gegen ihren ausbeuterischen Chef kämpfen, werden zunehmend von persönlichen Motiven und Egoismen zerrissen.
Lambert nutzt diese Dynamik, um Themen wie Klassenkampf, Macht und sexuelle Freiheit in einer von sozialer und emotionaler Gewalt geprägten Welt zu beleuchten.
Der Stil des Autors ist kompromisslos und explizit
Was „Querelle de Roberval“ besonders auszeichnet, ist die rohe, oft explizite Sprache, die zwischen realistischem Dialog und poetischer Beschreibung schwankt. Lamberts Stil ist kompromisslos und schafft eine beklemmende Atmosphäre, die den Leser in die dunklen Abgründe der menschlichen Existenz führt.
Der Einsatz von Gewalt und sexuellen Bildern ist dabei kein Selbstzweck, sondern verstärkt die Darstellung der Härte und Entfremdung der Figuren in einer unerbittlichen kapitalistischen Gesellschaft.
Ein intensiver Roman, inspriert von Fassbinder, Genet und Pasolini
So wird „Querelle de Roberval“ zu einem intensiven Roman, der die Grenzen der literarischen Darstellung von Queerness und Arbeiterbewegung neu auslotet.
Inspiriert von Fassbinder, Genet und Pasolini setzt der junge Quebecer Romancier Kevin Lambert der frankophonen Arbeiterklasse im hohen Norden ein einzigartiges literarisches Denkmal.
Mit seiner Mischung aus brutaler Ehrlichkeit und ästhetischer Raffinesse ist es eine Herausforderung für den Leser und ein bemerkenswerter Beitrag zur zeitgenössischen Queer-Literatur.


