Es war am 28. September 1986, als Joseph Milata, ein als schwul bekannter Pensionist, tot in seiner Wohnung in Bergkamen im Kreis Unna (Nordrhein-Westfalen) gefunden wurde: Als sein Pflegesohn gegen zwei Uhr früh aus der Disco kam, fand er die blutüberströmte Leiche des Pensionisten.
Der beliebte Witwer wurde regelrecht niedergemetzelt
Wie die Obduktion ergab, wurde der beliebte Witwer mit einem spitzen Gegenstand regelrecht niedergemetzelt, dann auch noch stranguliert. Die Suche nach einem Tatverdächtigen verlief lange ergebnislos – bis die DNA-Spuren mit modernster Technik noch einmal ausgewertet wurden.
Sie führten zu einem 56 Jahre alten Türken, der im April in seiner Wohnung in Bergkamen festgenommen werden konnte. Nun steht der Mann in Dortmund vor dem Schwurgericht. Laut Anklage hat er mit einem – bis jetzt unbekannten – Komplizen den schwulen Witwer getötet. Dann sind die beiden mit 430 D-Mark, etwa 215 Euro, vom Tatort geflohen.
Der Angeklagte bestreitet alle Vorwürfe gegen ihn
Der Angeklagte, zum Zeitpunkt der Tat 19 Jahre alt, bestreitet die Vorwürfe. In einer Erklärung, die von seinem Verteidiger verlesen wurde, räumte er ein, einmal für ein paar Minuten in der Wohnung des Opfers gewesen zu sein. Er habe geglaubt, dort eine Prostituierte zu treffen, sei jedoch enttäuscht worden. Dann sei er von einem Arbeitskollegen und dessen Freundin nach Hause gefahren worden.
Vor Gericht kann dieser Zeuge nicht gehört werden: Nachdem er straffällig geworden war, wurde der Mann 2002 in die Türkei abgeschoben und darf jetzt nicht mehr einreisen. Stattdessen hat er vor wenigen Tagen bei einem Anwalt in Istanbul diese Fahrt bestätigt.
„Ich wollte nicht in den Verdacht geraten, homosexuell zu sein“
Die DNA-Spuren seien gefunden worden, weil er in der Küche des Pensionisten Cola verschüttet und deshalb Spüle und ein Trockentuch angegriffen hätte. Er habe über den Vorfall nie gesprochen, weil man in Bergkamen damals darüber getuschelt habe, dass der Pensionist schwul sei und gerne junge Männer zu sich nach Hause einlade.
„Ich wollte nicht in den Verdacht geraten, homosexuell zu sein“, zitiert der Verteidiger seinen Mandanten – und dessen offenbar schwulenfeindliche Einstellung: „Ich bin glücklich verheiratet, habe zwei Kinder und möchte nicht mit homosexuellen Menschen in Verbindung gebracht werden.“
Das Landgericht Dortmund hat für den Prozess noch sieben Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird für Ende November erwartet.

