Der ein Jahr dauernde Streik der britischen Bergarbeiter in den Jahren 1984 und 1985 war einer der wichtigsten Arbeitskämpfe in Großbritannien. Die Streikenden wehrten sich gegen die Politik von Margaret Thatcher und drohende Stilllegungen und Privatisierungen. Schon zu Beginn der Streiks bildeten sich Solidaritätsgruppen, es wurden Lebensmittel, Kleidung und Geld gesammelt.
Mark Ashton gründet die „Lesbians and Gays support the Miners“
Die wohl ungewöhnlichste und energischste Gruppe der Unterstützer:innen formt Mark Ashton. Er wurde am 19. Mai 1960 im englischen Oldham geboren und wuchs in Nordirland auf. Anfang der 1980er Jahre zog er nach London, wo er in der Schwulenszene aktiv wurde.
Ashton war davon überzeugt, dass der Kampf für die Rechte von sexuellen Minderheiten untrennbar mit dem Kampf anderer marginalisierter Gruppen verbunden ist. Diese Haltung führte dazu, dass er mit den Bergarbeitern zusammenarbeitete, die während des Streiks von 1984/85 kämpften, um die Schließung der britischen Kohlebergwerke zu verhindern.
LGSM brachte unerwartete Verbündete zusammen
1984 gründete Ashton zusammen mit seinem Freund Mike Jackson die Gruppe „Lesbians and Gays Support the Miners“ (LGSM). Ihr Ziel war es, finanzielle Unterstützung für die streikenden Minenarbeiter zu organisieren. Sie erkannten, dass die Minenarbeiter genauso von staatlicher Repression betroffen waren wie die LGBTI-Community.
„Wir wussten, dass der Kampf der Bergarbeiter auch unser Kampf war“, erklärte Ashton später. Zwischen den beiden Gruppen entwickelte sich trotz anfänglicher Skepsis auf beiden Seiten eine enge Freundschaft.
Mit einer klaren Botschaft und viel Herz sammelten sie Spenden
Die LGSM-Gruppe startete eine Spendenkampagne und veranstaltete Benefizkonzerte unter dem Slogan „Pits and perverts“, um Geld für die Familien der streikenden Bergleute zu sammeln. Ashton und seine Mitstreiter stießen zunächst zwar auf Widerstand, doch ihre Beharrlichkeit zahlte sich aus.
Ihre Aktionen machten Schlagzeilen, und am Ende hatten sie mehr als 20.000 Pfund für die Bergleute gesammelt. „Wir konnten uns auf sie verlassen, sie standen fest an unserer Seite“, erinnert sich ein Bergarbeiter später in einem Interview.
Ashton blieb ein leidenschaftlicher Aktivist bis zu seinem Tod
Mark Ashton starb im Februar 1987 im Alter von nur 26 Jahren an einer Lungenentzündung, eine Folge seiner Aids-Erkrankung. Sein früher Tod erschütterte die LGBTI-Community, doch sein Vermächtnis lebt bis heute weiter.
Der Film „Pride“ aus dem Jahr 2014 erzählt die Geschichte der LGSM und beleuchtet Ashtons unermüdlichen Einsatz für Gerechtigkeit und Solidarität. Mark Ashtons Beispiel zeigt, dass gemeinsamer Kampf über Grenzen hinweg möglich ist und dass Aktivismus tiefgreifende Veränderungen bewirken kann.

