HomePolitikEuropaOrbán ruft seine schwulen und lesbischen Parteifreunde auf, sich zu outen

Orbán ruft seine schwulen und lesbischen Parteifreunde auf, sich zu outen

Eine ungewöhnliche Aufforderung kommt aus der ungarischen Regierungspartei Fidesz: Schwule und lesbische Mitglieder sollen sich outen. Doch dahinter steckt nicht Queerfreundlichkeit - sondern Angst vor dem nächsten Skandal.

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Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán erwartet von den Mitgliedern des inneren Kreises der Regierungspartei Fidesz, die sich zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlen, dass sie sich diskret zu ihrer sexuellen Orientierung bekennen. So sollen Skandale vor den Wahlen 2026 vermieden werden, berichtet Radio Free Europe.

Proaktives Outing statt dem nächsten Sex-Skandal

Dem Bericht zufolge übermittelte Orbán diese Botschaft seinen Getreuen Anfang September beim traditionellen „Kötcse-Picknick“, einem informellen Treffen von Fidesz-Politikern und Intellektuellen, bei dem der Premier üblicherweise seine Prioritäten für das kommende Parlamentsjahr vorstellt.

Orbáns Aufforderung folgte auf einen Sexskandal, in den ein prominenter Geistlicher mit engen Verbindungen zur Regierungspartei verwickelt war. Gergő Bese, oft als „katholischer Starpriester“ von Fidesz bezeichnet, hatte an geheimen Schwulenpartys teilgenommen, von denen später eindeutige Videos auf einschlägigen Websites auftauchten.

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Der Fidesz-Starpriester Gergő Bese fand sich auf schwulen Porno-Plattformen

Berichten zufolge soll der 41-jährige Priester auch Geld vom Junior-Koalitionspartner von Fidesz, der christdemokratischen Partei KDNP, erhalten haben. Nach dem Skandal entschuldigte sich Bese, zog sich aus der Öffentlichkeit zurück und löschte seine Social-Media-Konten.

Bese ist der dritte große Sexskandal in fünf Jahren, der eine Regierungspartei erschüttert, die sich als Verfechterin christlich-konservativer Familienwerte versteht. Ende 2020 wurde der damalige Fidesz-Europaabgeordnete József Szájer, der auch an der aktuellen LGBTI-feindlichen ungarischen Verfassung mitgearbeitet hatte, während des Corona-Lockdowns in Brüssel bei einer Schwulenorgie erwischt.

Während Corona lebte József Szájer seine Familienwerte bei einer schwulen Sex-Orgie in Brüssel aus

Legendär wurde dieser Fall auch deshalb, weil Szájer, der bis zu diesem Zeitpunkt als biederer Familienvater bekannt war, versuchte, sich den polizeilichen Maßnahmen zu entziehen, indem er über die Dachrinne des Hauses flüchtete.

Ein Jahr zuvor, kurz vor den Kommunalwahlen im Oktober 2019, tauchten Videos auf, die den frisch wiedergewählten Bürgermeister von Györ, Zsolt Borkai, beim Schäferstündchen mit einer Sexarbeiterin auf einer Luxusyacht in der Adria zeigten. Auch er musste kurz darauf zurücktreten.

Orbáns Macht könnte wackeln – nun will er auf Nummer sicher gehen

All diese Skandale entlarven die Scheinheiligkeit der rechtspopulistischen Regierungspartei – vor allem seit Ungarn seine umstrittenen „Anti-LGBT-Gesetze“ verabschiedet hat. Das hat auch Auswirkungen auf die Popularität der Partei: Seit Präsidentin Katalin Novák einen Mann begnadigte, der sexuellen Missbrauch von Kindern in einem Kinderheim vertuscht hatte, ist die Zustimmung in der Bevölkerung stark gesunken. 

Umfragen deuten darauf hin, dass es bei den Wahlen 2026 zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Regierungspartei Fidesz und Tisza, der neuen Partei des ehemaligen Fidesz-Politikers Péter Magyar, kommen könnte. Deshalb ist Orbán bemüht, weitere Sexskandale zu vermeiden, die die konservative Basis der Partei verprellen und die Siegchancen gefährden könnten.

Regierungssprecher Bertalan Havasi wies den Bericht in einer Stellungnahme gegenüber dem ungarischen Fernsehsender ATV als „Fake News“ und „Unsinn“ zurück.

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