Bereits zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten ist ein Brandanschlag auf die queere Bar „B sieben“ in der nördlichen Altstadt von Rostock verübt worden. Während der erste Versuch noch gescheitert war, waren die unbekannten Täter dieses Mal erfolgreich.
Zeugen sahen einen dunkel gekleideten Mann
Der Anschlag ereignete sich am Sonntag, gegen fünf Uhr. Wie die Polizei berichtet, haben Zeug:innen einen dunkel gekleideten Mann gesehen, der einen Gegenstand durch eine Scheibe in die Bar geworfen hatte – vermutlich einen Molotowcocktail. Daraufhin brannte das Lokal. Eine rasch eingeleitete Fahndung nach dem Unbekannten blieb erfolglos.
Die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr mussten zunächst alle Bewohner:innen des Mehrfamilienhauses evakuieren, in dem sich die Bar befindet. Der Feuerwehr gelang es, ein Übergreifen des Feuers auf die Wohnungen zu verhindern. Verletzt wurde niemand – doch der Schaden in der Bar ist groß.
Die Bar ist verwüstet – jetzt hält die Rostocker Community zusammen
Vorläufigen Schätzungen zufolge beläuft sich die Schadenshöhe auf etwa 100.000 Euro. Die gesamte Inneneinrichtung des „B seven“ wurde in Mitleidenschaft gezogen. Ein Betrieb der Bar ist vorerst nicht möglich. Die Polizei hat in dem ausgebrannten Lokal Spuren gesichert.
„Sie haben es wieder getan. Zum Glück wurde niemand verletzt. Was sind das nur für Zeiten?“, schreibt Andreas Szabó, der Betreiber des „B seven“ verzweifelt in einer Instagram-Story. Er bittet in einer Instagram-Story um Spenden für die Wiedereröffnung des Lokals. Bis jetzt wurden über die entsprechende Spendenaktion bei PayPal fast 20.000 Euro eingenommen.
Nun sollen die Rostocker Flagge zeigen
Der CSD Rostock und der queere Verein „rat + tat“ rufen außerdem als Reaktion auf den Brandanschlag dazu auf, Flagge zu zeigen – im wahrsten Sinne des Wortes: Aus den Rostocker Häusern sollen als Zeichen der Solidarität Regenbogenflaggen hängen.
Es ist das zweite Mal innerhalb weniger Wochen, dass Unbekannte einen Brandanschlag auf das queere Lokal verüben. Mitte September wurde bereits eine Scheibe eingeschlagen, in der Bar sicherte die Polizei Brandspuren und Flaschen mit einer nach Benzin riechenden Flüssigkeit. Sie ermittelt schon wegen dieses Vorfalls wegen schwerer Brandstiftung.
Ein Safe Space in einer schwierigen Umgebung
Die queere Bar „B seven“ wurde 2008 eröffnet und sieht sich als „‚Safe Space‘ für Menschen, die in unserer Gesellschaft oft Ausgrenzung und Diskriminierung erfahren“. Betreiber Andreas Szabó war früher Vorsitzender des Rostocker CSD-Vereins. Heute sitzt er für die FDP in der Bürgerschaft der Hansestadt.
Bereits nach dem ersten Angriff schrieb er, der Angriff auf seine Bar sei kein Einzelfall, „sondern Teil eines besorgniserregenden Trends, der uns alle betrifft“. Es handle sich um einen klaren Versuch, „Errungenschaften, für die wir so lange gekämpft haben, zu zerstören“.
Die Polizei Rostock bitten mögliche Zeug:innen, die Angaben zu der Tat oder den Tätern machen können, sich unter der Telefonnummer +49/(0)381/4916-1616 an den Kriminaldauerdienst oder jede andere Polizeidienststelle zu wenden.

