Die International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association (ILGA World), die Dachorganisation der queeren Organisationen weltweit, hat die Mitgliedschaft des israelischen Mitgliedsvereins Aguda bis auf weiteres suspendiert.
Aguda hatte es gewagt, die weltweite Community nach Tel Aviv einzuladen
Hintergrund soll gewesen sein, dass der Verein sich für die Austragung eines Treffen der ILGA-World in Tel Aviv beworben hätte. Offizieller Grund für die Suspendierung ist, dass sich Aguda nicht an zwei Artikel der ILGA-Verfassung, der Grundregel der Dachorganisation gehalten haben soll.
Konkret könnte die Organisation gegen Artikel C3.1 und C 3.2 verstoßen haben. Darin heißt es, dass sich alle Mitglieder „für die Gleichbehandlung aller Menschen“ einsetzen und internationale Menschenrechtsstandards akzeptieren müssten.
Welche Regeln der israelische LGBTI-Verein gebrochen haben soll, ist unklar
Es werde überprüft, ob ein Verstoß mit diesen Regeln vorliegt. Bis zum Ende dieser Überprüfung bleibt die Mitgliedschaft der israelischen LGBTI-Organisation suspendiert. Wie der Regelbruch genau aussieht, hat die ILGA World nicht kommuniziert.
Außerdem wollte sich Aguda für die Abhaltung der Jahreskonferenz der ILGA World 2026 oder 2027 bewerben und dieses in Tel Aviv abhalten, der einzigen queerfreundlichen Metropole der Region. Das soll innerhalb der Organisation zu „mehreren Bedenken“ geführt haben.
Entschuldigung dafür, überhaupt über eine Konferenz in Tel Aviv nachgedacht zu haben
Ein entsprechender Antrag sei einstimmig abgelehnt worden. Eine Abstimmung über die Frage im Plenum der nächsten Konferenz vom 11. bis 15. November in Kapstadt wurde nicht zugelassen. ILGA World entschuldigte sich sogar dafür, Tel Aviv als Austragungsort auch nur in Betracht gezogen zu haben.
„Wir wissen, dass der Tel-Aviv-Antrag viel Ärger in unseren Communitys ausgelöst und diesen Schaden zugefügt hat. Unsere Entschuldigung richtet sich an die Mitglieder, die Austragungsorganisationen und unsere globalen Communitys – speziell jene in Südafrika, wo unsere nächste Konferenz stattfinden wird“, heißt es in einer Stellungnahme.
„Uneingeschränkte Solidarität mit dem palästinensischen Volk“
Alleine die Erwägung, über eine mögliche Konferenz in Tel Aviv abzustimmen, „hätte im Widerspruch zur uneingeschränkten Solidarität mit dem palästinensischen Volk gestanden“. Die LGBTI-Dachorganisation setzt die Behandlung von Palästinenser:innen mit der südafrikanischen Apartheid gleich – seit Jahrzehnten ein beliebter, aber nicht belegbarer Kniff von Israelhassern, um gegen den Staat zu hetzen.
„Wir erkennen die historische Erfahrung mit Apartheid und Kolonialismus in Südafrika an. Schon die Möglichkeit einer Abstimmung von so einem Antrag in diesem Land würde der unmissverständlichen Solidarität mit dem palästinensischen Volk widersprechen“, heißt es nun bei ILGA World.
Aguda erwartet sich Unterstützung für liberale Stimmen, keinen Boykott
Aguda kritisiert die Suspendierung scharf. Die israelische LGBTI-Identität umfasse sowohl staatsbürgerliche Dienste am Gemeinwohl wie auch den Kampf für Werte der Demokratie und Menschenrechte.
„Als Community sollten wir nicht die Verantwortung für jede Regierungsentscheidung tragen müssen. Wir erwarten von der internationalen Gemeinschaft, liberale Stimmen zu unterstützen statt sie zu boykottieren“, so die israelische LGBTI-Organisation auf Facebook.

